Mittwoch, 11. Januar 2017

Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. (Mk 1,38)

01 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪1,29-39.

‪In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.

‪Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,

‪und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.

‪Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

‪Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,

‪und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

‪In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

‪Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,

‪und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

‪Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

‪Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

 

 

Tagesimpuls:

 

Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. (Mk 1,38)

 

Jesus möchte sehr viele Menschen erreichen. Dazu muss er seine Kräfte sinnvoll verteilen. Es wäre nicht gut, wenn er nur in einem Dorf bliebe. Damit demonstriert Jesus, wie Gott alle Menschen liebt, wie er keinen ausschließt, wie er sich nach einem jeden sehnt. Das geht aber nur, wenn er bereit ist, Erwartungen zu enttäuschen. Wenn Jesus immer nur das tun würde, was die Menschen erwarten, dann könnte er nicht für alle da sein, dann könnte er seinen Auftrag nicht erfüllen.

 

Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

 

Auch wir haben oft das Gefühl, dass wir uns am liebsten teilen würden. Es gibt kollidierende Termine, unterschiedliche Menschen, für die wir da sein möchten, aber wir können nicht alles, wir müssen Prioritäten setzen. Wo möchte Jesus mich haben? Wohin soll ich gehen? Wo soll ich Nein sagen? Ich weiß nicht, ob dies nur für mich als Priester gilt, oder ob man es verallgemeinern kann: Ich habe den Eindruck, dass Gott mich in die Richtung führt, dass ich lieber zu mehr Menschen gehe, aber dafür kürzer. Das wird mir von vielen Gemeindemitgliedern so signalisiert. Sie sagen z.B.: „Herr Pastor, wenn Sie sich nur kurz blicken lassen, oder nur kurz anrufen, dann sind die Menschen schon sehr glücklich." Also z.B. dass ich mehr Kranke nur kurz besuche, anstatt nur einen sehr lange. Dieses System scheint zumindest von heutigen Evangelium bestätigt zu werden, also von vielem wenig, anstatt weniges jeweils ganz viel.

 

Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

 

Das erfordert aber die Fähigkeit, Nein zu sagen. Ich muss fähig werden, meinen eigenen Weg zu gehen, denn dieser Weg ist der Weg Gottes, den er mit zeigt, wie ich für die Menschen da sein kann und soll. Es ist auch etwas asketisch, wenn man die Zeit begrenzt, weil man noch zu anderen Menschen gehen will. Man benötigt mehr Disziplin dazu. Aber es scheint mir so richtig zu sein. Letztlich brauchen wir viel persönliches Gebet, so wie Jesus, der schon früh morgens aufstand, sich allen Menschen entzog, so dass sie ihn nicht finden konnten, um mit Gott allein zu sein. In der stillen Begegnung mit Gott erkannte er seinen Weg, und so fand er die Klarheit, was er tun sollte, und er fand auch die Kraft, die Erwartungen der Menschen zu enttäuschen, die ihn noch gern bei sich behalten hätten. Und genauso müssen wir es tun! Wir finden unseren Weg im Gebet, im Blick auf Gott. Und dann teilen wir unsere Kräfte ein, damit wir für möglichst viele Menschen da sein können.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns so ein gutes Vorbild bist. Du hast dir früh morgens Zeit genommen für das Gebet. Du hattest diese Zeiten, wo dich keiner stören durfte. Und daher hattest du auch das Selbstbewusstsein, dass du nicht anderen Menschen gefallen musstest. Du konntest Nein sagen. Du wolltest für viele Menschen da sein, nicht nur die Erwartungen weniger erfüllen. Hilf mir, nach deinem Vorbild zu leben! Gib mir die Disziplin, dass ich mir auch diese ungestörten Zeiten mit Gott nehme. Hilf mir, Nein sagen zu können, wenn es nötig ist. Und hilf mir, meine Kräfte so einzuteilen, dass ich für alle Menschen, zu denen du mich senden willst, Zeit finde.

 

 

Pastor Roland Bohnen