Montag, 16. Januar 2017

Neuer Wein gehört in neue Schläuche. (Mk 2,22)

02 Woche im Jahreskreis – Montag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪2,18-22.

‪Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten?

‪Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.

‪Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.

‪Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch vom alten Kleid ab, und es entsteht ein noch größerer Riss.

‪Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

 

 

Tagesimpuls:

 

Neuer Wein gehört in neue Schläuche. (Mk 2,22)

 

Die Beziehung zu Jesus ist immer neu. Sie ist etwas Lebendiges. Es gibt auch im Christentum Traditionen, gute Gewohnheiten, eine religiöse Praxis, Rituale und Regeln. Die Beziehung zu Christus drückt sich – ähnlich wie alle anderen Religionen – in einer religiösen Praxis, ja in einer gewissen religiösen und sogar gesellschaftlichen Kultur aus. Das ist m.E. auch in den Freikirchen so, obwohl sie sich sehr gegen das Ersticken des Glaubens in einer religiösen Kultur wehren. Aber ich glaube, das Formen, Regeln, Rituale zum Menschsein dazugehören. Nur darf man sie nicht mit dem Glauben an Jesus verwechseln. Sie tragen den Glauben, so wie ein Rahmen das Bild einrahmt und hält. Aber der Rahmen ist nicht das Bild. Jesus sagt ja auch nicht: „Wir brauchen keine Schläuche für den Wein". Wie will man den Wein transportieren ohne Schläuche? Ohne Formen, Rituale, Traditionen, ja ohne eine christliche Kultur, ohne eine Prägung der Gesellschaft durch den christlichen Glauben zerfließt dieser Glaube wie der Wein ohne Schläuche.

 

Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

 

Aber man darf nie das Bild mit dem Rahmen verwechseln. Man darf nie den Schlauch mit dem Wein verwechseln. Und da bilden die Freikirchen für uns Katholiken tatsächlich eine wunderbare Herausforderung. Es geht nicht um die Religion, es geht nicht einmal um die Kirche, es geht um Jesus Christus. Es geht um die Beziehung zu ihm, die immer neu, die immer frisch und lebendig ist. Die katholische Kirche sagt das auch! Die Kirche ist nur Werkzeug. Die Formen sind nur vorläufig, vorübergehend. Die Kirche nimmt sich selbst nicht wichtiger als sie in Wirklichkeit ist, jedenfalls in der Theorie ist es so. In der Praxis werden wir von den Freikirchen immer gern an diese richtige Theorie erinnert. Übrigens lernen die Freikirchen gerade wie wichtig die (neuen) Schläuche sind, wie wichtig eine christliche Kultur ist, wie wichtig es ist, dass die Kirche hineinwirkt in gesellschaftliche Bezüge in Kultur, Politik, Wirtschaft usw. Ohne Schläuche geht es nicht. Ohne Schläuche bleibt ganz schnell vom Glauben nichts mehr übrig.

 

Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

 

Ich möchte ein Beispiel bringen. Wir kennen verschiedene Hochfeste, die verschiedene Glaubenswirklichkeiten besonders feiern, z.B. Weihnachten und Ostern. Diese beiden sind mit gesellschaftlichen Strukturen und Traditionen verbunden. Andere Hochfeste, wie z.B. Pfingsten, sind genauso wichtig. Aber sie haben nicht so viele Traditionen, manche andere Hochfeste haben z.B. keinen gesetzlichen Feiertag. Wenn wenig „Schläuche" diese Feiertage halten und umgeben, dann verschwinden sie aus dem Bewusstsein.

 

Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

 

Wenn der Heilige Geist sehr kräftig weht, dann bleibt der Glaube lebendig auch dort, wo die Strukturen fehlen. Aber mit Strukturen machen wir es uns und dem Heiligen Geist leichter. Trotzdem bleibt: Das wichtigste ist die Beziehung zu Jesus, die immer neu ist. Und daher sind und bleiben die Strukturen immer zweitrangig, sie dienen dem Glauben.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für meine Beziehung zu dir, für unsere Beziehung zu dir. Ich danke dir für alle Formen und Strukturen, wie der Glaube gesellschaftlich sichtbar wird, und ich bitte dich, dass der Heilige Geist immer kräftig in diesen Strukturen weht. Danke für die Kraft des Heiligen Geistes, der den Glauben lebendig hält.

 

 

Pastor Roland Bohnen