Freitag, 27. Januar 2017

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht. (Mk 4,28)

03 Woche im Jahreskreis – Freitag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪4,26-34.

‪In jener Zeit sprach Jesus: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

‪dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.

‪Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

‪Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

‪Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

‪Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

‪Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

‪Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

‪Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

 

 

Tagesimpuls:

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht. (Mk 4,28)

 

Wenn man den Samen einmal gesät hat, dann kann man sich sozusagen schlafen legen, dann wächst das Reich Gottes von selbst. Das durfte ich erleben in den vergangenen Tagen. Unabhängig von einander kamen mehrere Menschen auf mich zu, die mir ihre Bereitschaft erklärten, sich ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren oder in Zukunft an der Gemeinschaft teilzunehmen, an den Gottesdiensten, in der Gemeinde. Jeder ist anders, jeder in seiner je eigenen Art, aber ihnen allen gemeinsam ist, dass sie unaufgefordert auf mich zukamen.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Natürlich wurde in jedem einzelnen irgendwann einmal der Same gesät. Es gibt Menschen, die ihnen den Glauben nahebrachten, oder, die ihnen eine gewissen Sympathie an der Kirche vermittelt haben, die jetzt der Grund dafür war, dass sie sich bei mir gemeldet haben. Irgendwann wird der Same gesät. Und irgendwann, zu einer bestimmten Zeit, die nur Gott kennt, entsteht eine sichtbare Frucht.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Eigentlich müssten wir es doch verstehen, aber es ist scheinbar doch nicht so leicht, das zu verstehen: Alles Wichtige im Leben kann man sich nicht erarbeiten, das muss man geschenkt bekommen: Die Liebe, die Freundschaft, die Gesundheit, das Leben, die Familie usw. Wir meinen aber immer noch, wir könnten uns eine fruchtbare Kirche erarbeiten, durch unsere Konzepte, durch gute Veranstaltungen, durch gute Werbung etc. Ein kleiner Funke Wahrheit steckt in diesen Überlegungen. Wir müssen den Samen säen, wir müssen bereit sein, auf die Menschen zuzugehen, teilzunehmen an ihrem Leben und das Wort Gottes verkünden – in welcher Form auch immer. Wir dürfen nicht einfach die Hände in den Schoß legen und nichts tun. Aber dann, wenn wir das getan haben, dann ist alles Geschenk. Dann können wir das Wachstum nicht beeinflussen. Wir können nicht durch unsere Aktivitäten das Reich Gottes produzieren, sondern das sind Entwicklungen, die wir nicht selber in der Hand haben.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Was wir immer tun sollen, das ist das Gebet: „Dein Reich komme!" Das hat uns Jesus gelehrt. Das ist kein „Erarbeiten" der Frucht, sondern es ist ein Sich-Öffnen für das Wirken Gottes. Im Gebet machen wir uns mit Gott eins, mit seiner Sehnsucht, mit seinem Herzschlag, mit seinem Willen. Gott sehnt sich nach dem Reich Gottes hier auf Erden, und durch das Gebet öffnen wir seinem Wirken die Türen. Aber auch das ist keine Leistung, die wir erbringen, sondern ein Sich-Öffnen, sozusagen wie das Abholen seiner Geschenke. Aber es bleibt dabei: Auch wenn wir beten und den Samen aussäen, das Wesentliche ist ein Geschenk, für das wir uns öffnen, das wir aber nicht machen können.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass die wichtigsten Dinge im Leben Geschenke sind, und nicht der Erfolg unserer Arbeit und Mühe. Hilf mir, dass ich an dich glauben kann, dass ich dir vertrauen kann, dass du das Reich Gottes wachsen lässt. Schenke mir Gelassenheit und Gottvertrauen. Lass uns erleben, wie dein Reich wächst in den Herzen der Menschen, und wie deine Kirche immer lebendiger wird.

 

 

Pastor Roland Bohnen