Donnerstag, 19. Januar 2017

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren. (Mk 3,10)

02 Woche im Jahreskreis – Donnerstag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪3,7-12.

‪In jener Zeit zog sich Jesus mit seinen Jüngern an den See zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm. Auch aus Judäa,

‪aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie von all dem hörten, was er tat.

‪Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.

‪Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.

‪Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes!

‪Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.

 

 

Tagesimpuls:

 

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren. (Mk 3,10)

 

Warum drängten sich die Menschen an Jesus heran und suchten physischen Kontakt zu ihm? Weil sie die Erfahrung machten, dass die Chance, geheilt zu werden, dann größer war. Das heißt nicht, dass Jesus nicht auch aus der Ferne heilen könnte, und er hat es ab und zu getan. Aber denken wir z.B. auch an Lazarus. Solange Jesus nicht vor Ort war, schritt die Krankheit immer weiter fort bis zu seinem Tod. Als Jesus dann vor Ort war, hat er ihn von den Toten auferweckt. Wir können also sagen, dass in der Regel Jesu Heilstätigkeit davon abhängt, ob es eine physische Nähe zu ihm gibt.

 

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.

 

Aus diesem Grunde gibt es heute die Sakramente. Sie sind die Heilszeichen Jesu, in denen er heute wirkt, allerdings nicht ausschließlich. Aber in den Sakramenten wird besonders deutlich, wie sehr es auf die physische Nähe zu Jesus ankommt. Es ist nicht gleichgültig, ob ich dabei bin oder nicht. Streng genommen müsste ich sogar sagen: Es ist nicht gleichgültig, ob ich vorne sitze oder ganz hinten. Wenn ich vorne sitze, dann bin ich näher dran, näher an Jesus.

 

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.

 

Wir können im Gebet die Nähe Jesu „aufbauen" – auch wenn wir nicht die Möglichkeit haben, ein Sakrament zu empfangen. Im Gebet kann Jesus unterschiedlich stark anwesend sein, je nachdem wie tief es ist. Ich kann also auch im Gebet mich an Jesus herandrängen. Das geschieht, indem ich länger im Gebet verweile, indem ich mich emotional tiefer in das Gebet einlasse, indem ich mit allen Fasern meines Daseins bete. Dann entsteht mehr Kontakt zu Jesus, mehr Berührung, und die Chancen der Heilung werden größer.

 

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.

 

Die optimale Kombination ist der Empfang eines Sakraments verbunden mit intensivem Gebet. Aber ich finde Jesus auch in meinen Mitmenschen. Auch sie tragen Jesus in sich, ebenso wie die Eucharistie. Die Begegnung mit meinen Mitmenschen kann zu einer Begegnung mit Jesus werden, zu einem Vorgeschmack des Himmels, denn im Himmel ist der dreifaltige Gott, der in drei Personen eins ist. So betrachtet, kann ich die Erfahrung des dreifaltigen Gottes nicht teilen, solange ich Gott nur in mir suche, in meinem Inneren. Erst wenn ich in der Gemeinschaft Gott suche, komme ich der trinitarischen Erfahrung näher, begegne ich Gott so, wie er wirklich ist, nämlich Gemeinschaft. Ich glaube, die meisten von uns haben erlebt, dass die Gottesbegegnung in der Gemeinschaft viel intensiver ist als allein.

 

Denn er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.

 

Suchen wir also die Nähe Jesu, suchen wir den Kontakt mir ihm, suchen wir die Berührung, drängen wir uns an Jesus heran! Ziehen wir uns nicht in uns selbst zurück! Es ist heute nicht anders wie damals. Je mehr physischen Kontakt wir zu Jesus bekommen, umso mehr werden wir geheilt.

 

Gebet:

Jesus, ich will die Nähe zu dir suchen. Heiliger Geist, bitte führe mich heute! Ich will die Sakramente suchen, ich will deine Nähe, Jesus, im Besuch der Kirche suchen, im Tabernakel, ich will deine Nähe suchen, in dem ich bewusst meinen Mitmenschen begegne, ich will möglicherweise ganz ausdrücklich mit ihnen gemeinsam beten und so den Kontakt mit dir herstellen, ich will deine Nähe suchen, indem ich mich auf die Berührung mit dir einlasse im persönlichen Gebet, aber auch indem ich dich im anderen zu erkennen versuche.

 

 

Pastor Roland Bohnen