Montag, 12. Dezember 2016

03 Woche im Advent – Montag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt ‪21,23-27.

‪In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben?

‪Jesus antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antwortet, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue.

‪Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?

‪Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten; denn alle halten Johannes für einen Propheten.

‪Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Da erwiderte er: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.



Tagesimpuls:


Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten. (Mt 21,26)

Die starken Hohenpriester und Ältesten, die Jesus das Leben so schwer machten, seine mächtigen Gegner, denen es gelungen war, ihn kreuzigen zu lassen, wie schwach sind sie doch in Wirklichkeit! Sie fürchten sich vor dem, was die Menschen sagen! Wie kompliziert wird doch alles, wenn man nicht seinem Gewissen folgt, wenn man seine Entscheidungen opportunistisch und strategisch trifft, wenn man nicht mehr sagt und tut, wovon man überzeugt ist, sondern wenn man immer nur schaut, was einem die meisten Vorteile bringt! Hier zeigt sich, dass die mächtigen Hohenpriester und Ältesten eigentlich schwach sind, dass sie Angst haben vor der Reaktion der Menschen, Angst haben, etwas von ihrer Macht zu verlieren oder Probleme zu bekommen.

Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten

Verantwortungsethik ist in einer Gesellschaft wichtig. Die gesamte Politik ist geprägt von Verantwortungsethik. Man muss immer auch nachdenken, wohin etwas führt, man muss die Folgen bedenken. Und manchmal muss man tatsächlich einem Kompromiss folgen, der das kleinere Übel darstellt, weil man dann mehr erreicht als wenn man stur auf seiner Position beharrt und dann gar nichts erreicht, weil man von der Mehrheit überstimmt wird. Aber man darf Verantwortungsethik nicht mit Opportunismus verwechseln. Wenn Verantwortungsethik umschlägt in „political correctness“ (sog. politische Korrektheit), also dass man aus Furcht vor gesellschaftlich unangenehmen Reaktionen nicht mehr das tut und sagt, von dem man überzeugt ist, dann ist das ganz sicher falsch.

Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten.

Jesus fordert die Hohenpriester und Ältesten heraus: „Sagt mir, was ihr denkt! Woher stammt die Taufe Johannes des Täufers?“ Er will, dass sie sich positionieren, dass sie Farbe bekennen. Aber stattdessen handeln sie opportunistisch, schauen sie auf ihren eigenen Vorteil. Ihr ganzes Reden und Handeln ist davon geprägt, dass sie nicht nach ihrer Überzeugung handeln, sondern nur das tun, was ihrem Machterhalt dient.

Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten.

Wie ist es bei mir mit der Menschenfurcht? Bekenne ich mich zu meinen Überzeugungen? Oder handle ich auch „politisch korrekt“, nach dem Motto nur nicht auffallen, nur nicht aus dem Rahmen fallen? Mache ich mein Leben auch dadurch kompliziert, dass ich nicht in der Wahrheit lebe, sondern in der Lüge, weil ich immer nur darauf bedacht bin, was die anderen jetzt denken, wie sie jetzt reagieren, und ob mir dies oder jenes jetzt Vorteile oder Nachteile bringt. Lüge ich, einfach nur, um mich für die nächste Stunde oder den nächsten Tag zur retten? Wie gesagt, wenn man so handelt wird das Leben nicht leichter, sondern immer komplizierter. Am besten ist es, in der Wahrheit zu leben. Es mag einen Moment lang schwerer scheinen, aber auf die Dauer ist es das Beste!

Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten.

Nehmen wir uns für heute vor, nach unseren Überzeugungen zu leben, nicht zu lügen! Lassen wir uns nicht einschüchtern von dem, was die anderen denken, sagen oder tun! Gehen wir unseren Weg! Und die anderen werden sich nach uns ausrichten. Die Selbstbewussten bestimmen auf die Dauer das Klima. Und wir sollen zu denen gehören, die das Klima bestimmen.



Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns vorgelebt hast, wie wir leben sollen: Ohne Angst vor den Menschen. Wir sollen unseren Überzeugungen folgen und immer das tun, was wir für richtig halten. Hilf uns, unsere Menschenfurcht heute zu überwinden und deinen Willen zu tun! Lass uns hineinwachsen in unsere Aufgabe, die du uns zugedacht hast, dass wir das Klima bestimmen, und dass wir uns nicht von den anderen bestimmen lassen.



Pastor Roland Bohnen