Freitag, 16. Dezember 2016

Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an. (Joh 5,34)

03 Woche im Advent – Freitag

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Jn ‪5,33-36.
‪In jener sprach Jesus zu den Juden: Ihr habt zu Johannes geschickt, und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
‪Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
‪Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, und ihr wolltet euch eine Zeitlang an seinem Licht erfreuen.
‪Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, dass mich der Vater gesandt hat.


Tagesimpuls:

Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an. (Joh 5,34)

Johannes der Täufer hat gepredigt, dass Jesus der Messias ist. Das heißt aber nicht, dass Johannes größer ist als Jesus. Johannes hat es immer betont: Jesus ist deutlich größer als er. Johannes ist nicht wie ein Lehrer, der das Recht hätte, Jesus die Note „Sehr Gut“ zu erteilen. Und vor allem, selbst wenn er es tun würde, dann würde das nicht bedeuten, dass er Jesu Lehrer wäre. Jesus nimmt von keinem Menschen eine Beurteilung an. Jesus steht über allen Beurteilungen. Er selber ist der Maßstab für alles. Es gibt nicht ein höheres Gesetz, dem Jesus entweder entsprechen oder nicht entsprechen würde. Jesus selber ist das Gesetz. Von ihm gehen alle Maßstäbe aus. Das, was Menschlichkeit bedeutet, wird von Jesus definiert und von keinem andern.

Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an.

Das führt uns zu der Frage von Gestern, ob wir Jesus als unseren höchsten Maßstab, unseren höchsten Gesetzgeber annehmen. Oder stellen wir unsere Meinung über Jesus, versuchen wir Jesus in den Horizont unserer Meinungen und Erwartungen einzubiegen? In gewisser Weise muss jeder Mensch lernen, loszulassen von einem festhaltenden Denken. Immer wieder sind wir in der Gefahr, dass wir unser eigenes Denken über Jesus stellen. Wir müssen lernen unsere eigenen Erwartungen und Maßstäbe loszulassen und ganz auf Jesus zu vertrauen.

Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an.

Es wird immer wieder passieren, dass Jesus uns etwas aus der Hand nimmt, damit wir lernen, auf seine Wege zu vertrauen. Und dann dürfen wir die Lage nicht mit unseren eigenen Gedanken beurteilen. Wir müssen immer wieder sagen: „Jesus, wie du es machst ist es gut. Wie du willst, und nicht wie ich will.“ Jesus ist nie die Wahrheit, die wir begreifen können, sondern er ist immer die Wahrheit, die uns einleuchten will. Sie schenkt sich uns, wir können sie staunend annehmen und auf uns einwirken lassen, aber wir können sie nicht begreifen. Wir können immer nur hinter dieser Wahrheit hergehen, ihr nachfolgen, aber dabei werden immer wieder Überraschungen kommen, solange wir leben. Wir können nie sagen: „Jetzt habe ich es endlich kapiert, jetzt habe ich es erfasst.“

Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an.

Legen wir also auch heute wieder unser Leben vertrauensvoll in die Hände Jesu! Seien wir dankbar, dass er größer ist als wir, dass wir in ihm einen „großen Bruder“ haben, dem wir uns anvertrauen können! Wenn er größer ist als wir, dann kann er uns auch beschützen. Dann müssen wir nicht alles verstehen, nicht alles im Griff haben. Er passt auf uns auf.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass wir uns dir anvertrauen dürfen. Du bist Gott, du bist der Maßstab von allem. Ich will dich nicht beurteilen, ich will mich nicht über dich stellen, Jesus. Du sollst mich beurteilen, du sollst mir ein Zeugnis ausstellen, nicht ich dir. Und wenn ich deine Wahrheit nicht verstehe, dann will ich sie wie Maria im Herzen bewahren und darüber nachdenken. Aber ich will dir immer und in allem vertrauen.


Pastor Roland Bohnen