Mittwoch, 14. Dezember 2016

Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt. (Lk 7,22)

03 Woche im Advent – Mittwoch

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk ‪7,18b-23.
‪In jener Zeit rief Johannes der Täufer zwei von seinen Jüngern zu sich,
‪schickte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
‪Als die beiden Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
‪Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht.
‪Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.
‪Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.


Tagesimpuls:

Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt. (Lk 7,22)

Immer wieder gibt es Zeiten in unserem Leben, in denen wir die Liebe Gottes für uns selber nicht so stark spüren. Für Johannes war es eine sehr große Prüfung seines Glaubens. Er, der ein Mann wie ein Fels war, den scheinbar nichts erschüttern konnte, der gewaltig predigte, der aus dem Brustton der Überzeugung Jesus als den Messias verkündete, inspiriert durch prophetische Gewissheit, dieser Johannes fängt nun an zu zweifeln, wo er im Gefängnis sitzt, im Verließ, in der Dunkelheit. Das kann jedem von uns auch passieren, und ich glaube, viele kennen diese Erfahrung, dass unser Glaube auf die Probe gestellt wird.

Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt.

Die Antwort, die Jesus gibt, ist für uns sehr wertvoll. Hier lernen wir, wie wir uns in solchen Prüfungen zu verhalten haben. Nicht Selbstmitleid ist die Antwort, nicht auf sich selbst und auf seine eigene missliche Lage schauen, sondern auf die anderen. Vielleicht erlebe ich die Hilfe Gottes zur Zeit nicht. Aber irgendwo auf der Welt gibt es Menschen, die jetzt gerade geheilt werden von Gott, die jetzt gerade seine Hilfe erfahren. Und auf diese Menschen soll ich schauen. Während ich dies schreibe, wird mir klar, dass auch für mich die schönsten und stärkendsten Glaubenserlebnisse die sind, wo ich das Wirken Gottes in anderen Menschen erleben darf. Eigentlich ist es mir nicht so wichtig, was ich selber mit Gott erlebe, wenn ich nur erleben darf, dass andere seine Nähe finden, seine Liebe entdecken, seine Hilfe erfahren. Das ist eigentlich alles, was ich mir wünsche.

Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt.

In der Antwort Jesu steckt noch ein Zweites: „Geht und berichtet!“ Erzählt von Gott! Erzählt von Glaubenserfahrungen, damit die Zweifelnden getröstet werden. Menschen, derer Glaube gerade geprüft wird, müssen diese Zeugnisse hören. Und damit sie sie hören, müssen sie erzählt werden. „Erzähl mir von Gott“, war der Titel eines Hirtenbriefes des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle in den Achtziger Jahren. Erzähl mir von Gott, das kann auch ein Motto für unseren heutigen Tag werden. Ich soll aufmerksam die Glaubensgeschichten anderer hören, Raum geben, damit Menschen erzählen können. Vor einigen Tagen erzählte jemand in einer Gruppe bim Kaffeetrinken, dass er vor Jahren einen Herzinfarkt erlitten und nur durch intensive Reanimierungsbemühungen überlebt hatte. Darauf fragte ich ihn, ob er in dieser Zeit ein „Nahtoderlebnis“ gehabt hätte. Und er bestätigte dies und erzählte von tiefen Glaubenserfahrungen, über die normalerweise selten gesprochen wird. Durch meine interessierte Nachfrage konnte ich ein Gespräch in Gang bringen, das einen sehr großen Tiefgang bekam und alle Teilnehmenden sehr bereichert hat. Auf diese Weise können wir dem Erzählen von Glaubenserfahrungen Raum geben, damit alle getröstet und besonders die Zweifelnden gestärkt werden.

Gebet:
Jesus, ich danke dir für alle meine Mitchristen, die meinen Glauben stärken. Lass viele Menschen auf der Welt deine Liebe und Hilfe erfahren. Lass mich selber auch sehr viel von deiner Liebe und Hilfe erfahren. Das größte Geschenk aber, das du mir machen kannst, ist, wenn ich miterleben darf, wie andere Menschen zu dir finden, wie andere Menschen deine Liebe erleben.

Pastor Roland Bohnen