Freitag, 9. Dezember 2016

02 Woche im Advent – Freitag

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt ‪11,16-19.

‪In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen:
‪Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen.
‪Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen.
‪Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.

Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? (Mt 11,16)

In den Worten Jesu spiegelt sich eine gewisse Enttäuschung. Er kann machen was er will, die Menschen lassen sich nicht überzeugen, sie lassen sich nicht bewegen. Reaktionen wie „Er ist von einem Dämon besessen“ gibt es auch heute. Wie oft habe ich gehört, dass über wirklich gute und echte spirituelle Gruppen und Bewegungen solche negativen Urteile gefällt werden. „Das ist eine Sekte“, ist heute meistens das KO-Argument gegen geistliche Gemeinschaften, die sich auf einen tiefen spirituellen Weg mit Jesus einlassen.

Mit wem soll ich diese Generation vergleichen?

Leider schotten sich solche Gruppen dann oft gegenüber den übrigen Christen ab, weil sie von derartigen Verurteilungen verletzt sind, weil sie nicht gut von Priestern begleitet werden, sie verfallen wirklich in Tendenzen, die nicht gut sind, z.B. dass sie ihrerseits denken, dass sie allein auf dem richtigen Weg sind, und die anderen es ja alle noch nicht begriffen hätten. So spricht man sich gegenseitig den Glauben ab, die einen verurteilen die anderen als Sekten, diese wiederum verurteilen die anderen als oberflächlich, als nicht wirklich gläubig usw. 

Mit wem soll ich diese Generation vergleichen?

Der richtige Weg wäre, dass wir alle einander annehmen. Wir gehören alle zu dem einen Volk Gottes, und wenn es die anderen mit ihren Gaben nicht gäbe, dann würde der Kirche etwas Großartiges fehlen. Vielleicht würde Jesus heute dieselben Worte aussprechen, ebenfalls mit einer gewissen Verzweiflung über uns heutige Christen, weil wir uns so schwer damit tun, einander anzunehmen. Können wir uns nicht gegenseitig annehmen, ohne einander den Glauben abzusprechen? Jeder hat einen wichtigen Platz auszufüllen, und das geht von der tiefsten mystischen Christusbegegnung bis hin zum intensiven sozialen Engagement. 

Mit wem soll ich diese Generation vergleichen?

Heilig sind Menschen wie Mutter Theresa, die beides in ihrer Person vereinen. Wir normalen Christen aber haben noch einen weiten Weg vor uns. Und jeder von uns hat es nötig, sich von Christus bewegen zu lassen, die Freudentänze zu tanzen, die er uns lehren will, oder die Klagelieder zu singen zu seiner Melodie. Wir können uns fragen, an welcher Stelle wir selber noch am meisten der Ergänzung bedürfen: Mehr in Richtung auf tiefere innigere Christusbegegnung, oder mehr in Richtung auf Offenheit und Einlassen auf die Menschen, also mehr Nächstenliebe? Welche Melodie kommt in meinem Leben noch etwas zu kurz? Wo singe und tanze ich noch nicht so gut nach der Melodie Jesu? Wenn wir uns in diesem Sinne bemühen, unseren eigenen Weg zu gehen, dann haben wir so viel zu tun, dann bleibt nicht mehr viel Zeit, andere Christen wegen ihrer angelblichen Versäumnisse zu verurteilen. 

Mit wem soll ich diese Generation vergleichen?

Hören wir also auf die Melodie Gottes in uns, die er noch mehr zum Klingen bringen will! Bleiben wir nicht hartherzig! Jesus soll unser Herz bewegen können. Wir müssen uns weiter entwickeln. 

Gebet: 
Jesus, es tut mir leid, dass ich zu wenig nach deiner Melodie getanzt habe. Stattdessen habe ich andere verurteilt. Ich will nicht mehr störrisch sein, nicht mehr hartherzig, ich will mich von dir bewegen lassen. Bitte hilf mir, dass ich meine Zeit nicht mehr damit verschwende über andere nachzudenken oder andere zu verurteilen. Hilf mir, dass ich mich ganz auf meine Melodie konzentriere, und mein Lied gut zu singen lernen, meinen Tanz gut zu tanzen lerne. Und gib, dass wir als Christen gemeinsam am Ende eine wunderbare Harmonie bekommen, wo jeder genau den Platz ausfüllt, den du ihm zugedacht hast. 


Pastor Roland Bohnen