Dienstag, 13. Dezember 2016

Später aber reute es ihn, und er ging doch. (Mt 21,30)

03 Woche im Advent – Dienstag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt ‪21,28-32.

‪In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!

‪Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.

‪Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.

‪Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

‪Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Später aber reute es ihn, und er ging doch. (Mt 21,30)

 

Es ist wichtig, dass wir den Willen Gottes tun. In meiner Ausbildung zum Priester wurde sehr stark betont, dass Gott uns das Heil schenkt aus reiner Gnade. Die Betonung des menschlichen Tuns wurde kritisch gesehen, weil es in der katholischen Kirche in der Vergangenheit überbetont worden war. Der Glaube an Jesus ist ja weit mehr als nur Moral. Katholische Generationen der Vergangenheit scheinen das Christentum nur so verstanden zu haben, dass man das Richtige tun muss, und wenn man das tut, dann kommt man in den Himmel, wenn nicht, dann in die Hölle. Wenn das alles wäre, dann würden wir uns z.B. vom Islam nicht unterscheiden. Also wurde in unserem Studium betont, dass es nicht nur um Moral geht, sondern um den Glauben. Das hat dazu geführt, dass man dem menschlichen Tun nur noch sehr wenig Bedeutung beigemessen hat.

 

Später aber reute es ihn, und er ging doch.

 

Aber wenn man den Willen Gottes nicht tut, dann bleibt man in der Sünde. Man lebt weiterhin in der Welt, lässt sich von weltlichen Dingen vereinnahmen, und vor allem: Man wird nicht glücklich, man findet keinen Frieden. Wenn das Tun gar keine Rolle spielen würde, wo bliebe dann die Bekehrung? Aber tatsächlich, in der heutigen Kirche in Deutschland spielt die Bekehrung im Bewusstsein der Katholiken kaum eine Rolle. Ein Zeichen dafür ist, dass das Bußsakrament nicht mehr verstanden wird.

 

Später aber reute es ihn, und er ging doch.

 

Wenn z.B. jemand süchtig ist und durch seine Sucht sein Leben zerstört, dann wird jeder normale Mensch ihm raten, dass er irgendetwas unternehmen muss, um von der Sucht frei zu werden. Das wäre dann die Bekehrung. Es muss sich auch praktisch in seinem Leben etwas ändern. Es würde nicht genügen, wenn er nur gesagt bekommt: „Hauptsache du glaubst!" Letztlich muss er eine Befreiung finden, so dass es ihm möglich wird, den Willen Gottes zu tun, zu leben. Solange er den Willen Gottes nicht lebt, wird er kein glückliches Leben finden.

 

Später aber reute es ihn, und er ging doch.

 

So müssen auch wir uns immer wieder bekehren. Die menschliche Bekehrung gehört zu unserem Leben als Christen als fester Bestandteil dazu. Wir können sie nicht weglassen. Und wer das einmal verstanden hat, der kann als Katholik nicht mehr auf das Bußsakrament verzichten. Die Protestanten haben übrigens auch die Beichte, und ich kenne einige Protestanten, die das genauso sehen und verstehen.

 

Gebet:

Jesus, bitte hilf uns, dass wir die Bekehrung leben! Ich will mich jeden Tag bekehren, ich will deinen Willen leben. Heiliger Geist, schenke mir immer die nötige Einsicht und die nötige Kraft dazu!

 

 

Pastor Roland Bohnen