Montag, 4. Januar 2021

Kommt und seht! (Joh 1,39)

Weihnachtszeit   04 Januar

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 1,35-42

In jener Zeit stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 

Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! 

Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 

Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? 

Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. 

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 

Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus. 

Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus.

 

 

Tagesimpuls:

 

Kommt und seht!  (Joh 1,39)

 

Dies ist eine Einladung, mit Jesus in die Tiefe zu gehen. Der Glaube beinhaltet auch ein Element des Schauens, schon jetzt, hier auf der Erde. Im Himmel werden wir ganz schauen, aber auch jetzt dürfen wir schon schauen. Paulus schreibt, dass wir jetzt schauen wie in einem Spiegel[1] (damals waren die Spiegel bei weitem nicht so gut wie heute), und im Himmel schauen wir dann ganz klar. Auch wenn es jetzt noch kein vollkommenes Schauen ist, es ist schon ein Schauen.

 

Kommt und seht!

 

Jesus lädt uns ein, mit ihm zu gehen, dorthin wo er wohnt. Das ist im Vaterhaus Gottes. Wir sind mit ihm Kinder des einen Vaters. Wir dürfen mit ihm ins Vaterhaus Gottes gehen. Hier auf der Erde hat er keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.[2] Seine Wohnung ist beim Vater im Himmel. Und mit ihm dürfen wir auch schon dort hingehen.

 

Kommt und seht!

 

In der Messe werden wir vor der Kommunion eingeladen: „Kostet und seht!"[3] Natürlich ist ein inneres Verkosten gemeint. Wir dürfen Geschmack an Gott finden. Und weil Jesus im Fleisch gekommen ist, können wir ihn auch sehen, vor unserem inneren Auge, aber auch in der Materie der Hostie. Gott will sich erfahrbar machen.

 

Kommt und seht!

 

Zu diesem Zweck hat uns Gott auch die Imagination, die Vorstellungskraft gegeben. Wir dürfen und sollen uns die göttlichen Dinge vorstellen, Jesus, die Szenen der Bibel, die Heiligen, den Himmel usw. Die Fantasie spielt in der kirchlichen Gebetstradition eine große Rolle. Bei Ignatius von Loyola in der Anleitung zu den Exerzitien geht es immer um die Imagination, die sogenannte Kontemplation, dass man sich vor seinem inneren Auge die Szene vorstellt. Ignatius hat das nicht erfunden, sondern steht wiederum in einer langen Tradition von Mystikern, z.B. Bernhard von Clairvaux.

 

Kommt und seht!

 

Wir dürfen also sehr dankbar sein, dass wir Jesus und die himmlischen Dinge betrachten können. Nutzen wir unsere Fantasie und Vorstellungskraft dazu! Das ist sicherlich besser als manche Tagträume oder andere Fantasien.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir so sehr, dass das Schauen schon hier auf dieser Erde beginnt und nicht erst im Himmel. Ich will dir heute meine Fantasie schenken. Hilf mir, dich und den Himmel zu betrachten. Hilf mir auch, auf meine Augen und meine Blicke zu achten. Die Heiligen haben ihre Blicke gezügelt, um mehr auf dich konzentriert sein zu können. Hilf mir, mit meinen Augen gut umzugehen und auch innerlich viel in der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse zu bleiben.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 



[1] 1 Kor 13,12

[2] Mt 8,20

[3] Ps 34,9







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


1 Kommentar:

  1. Jesus,  welch eine "menschliche Persönlichkeit" begegnet mich in Johannes den Täufer. - ein Mann -aufrichtig,  freundlich,  ehrlich, mit notwendiger strenger Stimme ...
    der indem was und wie er lebt und verkündet, allen Menschen gegenüber gleich bleibt.
    Er macht sich nicht abhängig von irgendwelchen talentierten Leuten,  sondern bleibt treu im Wort-Gottes.

    Ich würde mir wünschen, einen solchen Menschen zu treffen, in dem alles was er denkt, sagt und tut auf Gott hinweist.
    Denn es gehört zu den schönsten und glücklichsten Momenten und Lebenserfahrungen, Menschen mit solchen Glaubenscharakter zu treffen, die einem auf dem eigenen  Weg in eine geistliche Neu- Entwicklung begleiten.

    Sicherlich ist es schön,  wenn ein solcher Mensch des Glaubens mir seine Art der Gottesliebe  und seiner  Christusbeziehung vorlebt.  Noch mehr schätzte ich solche Menschen, wenn sie, wie Johannes der Täufer dann losslassen  können, damit die die ihn begleitet haben,  ihre eigenes Glaubensleben entdecken können.

    Ich finde dies  auch für mich selbst wichtig, damit in mir eine eigene Christusbeziehung wachsen kann.
    Hl.Geist bitte schenke mir die Kraft der Jünger die Jesus folgten, dass auch ich den wahren Weg wie Andreas und Petrus gehen darf. Amen

    Alfred Delp SJ, 1907-1945 
    sagt;  
    Mensch,  lass dich los zu deinem Gott hin,
    und du wirst dich selbst wieder haben...

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