Freitag, 23. Oktober 2020

Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast. (Lk 12,59)

29 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,54-59

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. 

Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiss. Und es trifft ein. 

Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? 

Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? 

Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen. Sonst wird er dich vor den Richter schleppen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen. 

Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

 

 

Tagesimpuls:

 

Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.  (Lk 12,59)

 

Es gibt zwei Wege: Den Weg der Gerechtigkeit und den Weg der Barmherzigkeit. Wenn du den Weg der Gerechtigkeit gehen willst, so sagt Jesus, dann kommst du selber ins Gefängnis, denn der Richter wird dich für deine Vergehen bestrafen, genauso, wie du deinen Gegner bestrafen willst. Keiner ist so unschuldig, dass er Gerechtigkeit für die anderen fordern könnte, ohne dann auch selber ins Gefängnis zu müssen. Wenn, Gerechtigkeit, dann auch Gerechtigkeit für alle, also auch für mich, und dann sieht es bei mir nicht so viel besser aus. Die Pharisäer mögen dies bestreiten. Aber die Tatsache, dass ein Mensch auf beiden Augen blind ist, heißt ja nicht, dass es das nicht gäbe, was er nicht sieht. Wenn ich also blind bin für meine eigenen Fehler, dann kann ich mir einreden, dass ich keine Fehler hätte, und ich kann mir selber auch meine eigenen Lügen glauben, aber die Wirklichkeit ändere ich damit nicht. Und die Wirklichkeit ist: Ich bin ein Sünder genauso wie die anderen, die ich verurteilen will. Und wenn ich auf Strafe bestehe, dann kommen wir alle dran, nicht nur die anderen.

 

Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

 

Aus diesem Grund will Jesus mit uns den Weg der Barmherzigkeit gehen. Wir sollen verzeihen und nicht zum Richter gehen. Wir sollen uns selber verzeihen und allen anderen. Er selber lebt es vor, indem er am Kreuz betet: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Solange ich nicht verzeihe, leide ich, da bin ich selber noch im Gefängnis, da werde ich selber noch gefoltert, wie Jesus es öfter ausdrückt. Unversöhnlichkeit ist eine Qual, die erst dann beendet wird, wenn ich verzeihe. Die Lüge ist, dass wir meinen, diese Qual würde beendet, indem wir Genugtuung bekommen. Die Wahrheit ist, dass erst Verzeihung diese innere Qual beendet.

 

Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

 

Verzeihen können wir allerdings nicht aus eigener Kraft, da brauchen wir die Gnade des Blutes Christi. Viele müssen erst ihre Unversöhnlichkeit sakramental beichten, um wieder frei zu werden. Wir müssen erst mal für uns selber um Gnade bitten, damit all der Hass und die Bitterkeit aus uns herausgehen. Dann bekommen wir von Jesus die Gnade der Heilung, und schließlich hilft uns Jesus, zu verzeihen.

 

Gebet:

Jesus, du zeigst uns klar den Weg vor. Dafür danke ich dir. Das Richten ist nicht der Weg. Die Verzeihung ist der Weg. Ich will diesen Weg gehen. Bitte Jesus, zeig mir, wo ich unbewusst noch Unversöhnlichkeit in mir trage. Hilf mir auch, dass ich in Worten nicht mehr so oft Menschen verurteile.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
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Fax 02456 - 3019


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