Mittwoch, 1. Juli 2020

Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. (Mt 8,32)

13 Woche im Jahreskreis     Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 8,28-34

Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte. 

Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen? 

In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde. 

Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! 

Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. 

Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzählten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. 

Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine.  (Mt 8,32)

 

Der moderne Mensch fragt sich, wie dieser Bericht in das Evangelium gekommen ist. Die Existenz von Dämonen wird heute von vielen Menschen als eine nicht mehr zeitgemäße Welterklärung verstanden. Ja, wenn man sich heute noch dazu bekennt, an so etwas zu glauben, ist man in großer Gefahr, sich lächerlich zu machen. Vielfach werden psychische Krankheiten als Erklärung vorgebracht. Die damaligen Menschen hätten über die psychischen Krankheiten nicht Bescheid gewusst und sich bestimmte Phänomene nur mit dem Wirken von Dämonen erklären können.

 

Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine.

 

Aber ich sehe es anders, auch wenn ich damit zum Außenseiter werde. Ich glaube an die Existenz und das Wirken von Dämonen, was nicht heißt, dass man dem zu große Aufmerksamkeit schenken müsste. Aber man soll auch nicht die Augen davor verschließen. Es gibt eben mehr als nur Materie und immateriellen Geist. Machen wir eine Überlegung: Wenn jeder Mensch eine Seele hat, dann ist die Seele nicht materiell. Aber sie ist auch nicht immateriell in dem Sinne, dass sie vollkommen losgelöst von Raum und Zeit existieren würde. Sie ist doch irgendwie meinem Körper zugeordnet, sie ist nicht zugleich an allen Orten des Universums, sondern bei mir und in mir. Wenn wir also von geistiger Wirklichkeit sprechen, dann meinen wir nicht einen philosophischen Begriff von Geist, wie etwa eine Idee, die unabhängig von Raum und Zeit existiert. Die Seele hat zwar keinen Körper, aber sie ist auch nicht Geist im philosophischen Sinne. Sie ist so etwas wie ein geistiges Wesen, das aber durchaus in Raum und Zeit existiert.

 

Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine.

 

Und genauso werden die Engel und die Dämonen in der Bibel beschrieben. Der Engel z.B. kommt zu Maria, d.h. er ist nicht überall und nirgends zugleich, sondern er kommt und geht. Und die Dämonen sind bei dem Menschen, und nachher gehen sie zu den Schweinen. Wenn es irgendeinen Sinn hat, dass dieser Bericht Eingang in die Evangelien gefunden hat, dann der, dass wir etwas über die Wirklichkeit der Dämonen erfahren. Sie sind nicht körperlich, sondern geistige Wesen, wie z.B. auch unsere Seele eine geistige Wirklichkeit ist. Aber wie gesagt, „geistig" ist hier nicht im philosophischen Sinn zu verstehen, im Sinne von abstrakt, unwirklich, sondern in irgendeiner Weise doch in Raum und Zeit existierend.

 

Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine.

 

Was heißt das nun für uns? Ich würde heute nur bei diesem einen Punkt bleiben: Dämonen gibt es, und sie wirken in Raum und Zeit in unserer Welt. Darum ist es wichtig, dass wir getauft sind, durch die Sakramente – ebenfalls in Raum und Zeit – an Jesus Christus gebunden. Wenn wir immer unter dem Kreuz leben und bleiben, d.h. auch ganz praktisch so oft wie möglich zum Kreuz kommen (ich denke, dass die meisten von uns Kreuze in ihrer Wohnung haben), dann sind wir sicher. Wir müssen uns absolut nicht fürchten, aber wir müssen uns auch bei Jesus aufhalten, um sicher zu sein.

 

Gebet:

Jesus, ich will mich heute ganz nah bei dir unter deinem Kreuz aufhalten. Ich habe keine Angst vor den Dämonen, weil ich weiß, dass du unendlich viel stärker bist. Ich fühle mich echt von dir beschützt. Ich danke dir, dass ich frei von Angst durch das Leben gehen darf. Ich bitte dich für alle, die die Gefahren nicht erkennen, dass sie zu dir kommen, unter deinen Schutz, unter dein Kreuz!

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
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Kommentare:

  1. Jesus, heute habe ich mit dem Evangelium meine Schwierigkeit. Ich glaube daran, dass auch in mir manchmal Kräfte am Werk sind, die mich von dir wegziehen. Deshalb suche ich dann dein Kreuz, in deiner Nähe kann ich im Gebet zu dir,o Jesus Christus, Befreiung erfahren. So heißt es heute in der ersten Lesung: Sucht das Gute, nicht das Böse, dann werdet ihr Leben und dann wird, wie ihr sagt, der Herr, der Gott der Herr, bei euch sein.
    Jesus, komm uns zu Hilfe und mag uns frei, damit wir ganz wir selbst werden und tun können, was dir gefällt.
    Hilf mir, in der Eucharistiefeier, die Messlatte für den Tag nur so hoch zu hängen wie ich springen kann. Amen!

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  2. Jesus, ja, auch ich fühle mich oftmals an den Rand gedrängt.
    Auch wenn Menschen mich nicht beachten, so warte ich auf dich. Und dann, wenn ich dich schon von weitem sehe, rufe ich; Jesus, bitte hilf.
    Mein Herr und Gott befreie mich.

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