Samstag, 16. November 2019

Das Ende kommt noch nicht sofort. (Lk 21,9)

33 Sonntag im Jahreskreis  

Evangelium                                                   Lk 21, 5–19

In jener Zeit,
5als einige darüber sprachen,
dass der Tempel
mit schön bearbeiteten Steinen 
und Weihegeschenken geschmückt sei,
sagte Jesus:
6Es werden Tage kommen,
an denen von allem, was ihr hier seht,
kein Stein auf dem andern bleibt,
der nicht niedergerissen wird.
7Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen
und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll?
8Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt!
Denn viele werden unter meinem Namen auftreten
und sagen: Ich bin es!
und: Die Zeit ist da. –
Lauft ihnen nicht nach!
9Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört,
lasst euch nicht erschrecken!
Denn das muss als Erstes geschehen;
aber das Ende kommt noch nicht sofort.
10Dann sagte er zu ihnen:
Volk wird sich gegen Volk
und Reich gegen Reich erheben.
11Es wird gewaltige Erdbeben
und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben;
schreckliche Dinge werden geschehen
und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
12Aber bevor das alles geschieht,
wird man Hand an euch legen und euch verfolgen.
Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern,
vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.
13Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
14Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
15denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können.
16Sogar eure Eltern und Geschwister,
eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern
und manche von euch wird man töten.
17Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehasst werden.
18Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
19Wenn ihr standhaft bleibt,
werdet ihr das Leben gewinnen.

 

Tagesimpuls:

 

Das Ende kommt noch nicht sofort. (Lk 21,9)

 

Ich habe einen Sterbefall erlebt von einer Frau, die eine sehr tiefe Beziehung zu Jesus hatte (besser muss man ja im Präsens sagen: hat). Die Familie sagte mir, dass die letzten Monate die intensivste und wertvollste Zeit ihrer Beziehung war. Und derartige Zeugnisse habe ich schon öfter gehört. Einmal sagte mir ein Mann, der bei seiner Frau im selben Zimmer im Krankenhaus schlafen durfte für mehrere Tage bis zu ihrem Tod: „Das war die schönste und kostbarste Zeit unserer Ehe." Daran sehe ich, dass eine Leidenszeit eine wertvolle Zeit sein kann.

 

Das Ende kommt noch nicht sofort.

 

Jesus kündigt uns eine Leidenszeit an. Das höre ich erst mal nicht gern. Ich hätte auch lieber ein „Wellness-Christentum" (bitte entschuldigen Sie diese saloppe Redeweise!). Aber nun macht mir dieses Erlebnis Mut. Eine Leidenszeit kann eine sehr kostbare Zeit sein. Die Frau, die vor kurzem verstorben ist, hatte die Gnade, oft Jesus zu sehen und mit ihm zu sprechen. Er sprach konkret zu ihr. Sie sagte mir auch einmal: „Ich habe noch viel Zeit" Das war vor über einem Jahr. Man muss dabei sagen, dass die Prognose der Ärzte anders war. Im Januar 2018 wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium und zusätzlich viele Metastasen festgestellt. Man hatte vermutet, dass sie in wenigen Wochen sterben würde. Aber sie sagte: „Ich habe noch viel Zeit". Ich fragte sie, woher sie das wisse, worauf sie antwortete: „Er hat es mir gesagt." Und so ist es gekommen. Für sie galt damals auch:

 

Das Ende kommt noch nicht sofort.

 

Sie hatte noch mehr ähnliche Erlebnisse. Als sie zum ersten Mal auf die Palliativstation kam, sagte sie: „Ich komme wieder nach Hause. Ich muss noch viel beten." Und so kam es. Als sie dann wieder auf die Palliativstation kam, wusste sie: „Jetzt komme ich nicht mehr nach Hause." Und so kam es. Mir macht das Mut. Eine Leidenszeit in tiefer Hingabe an Jesus zu durchleben, das ist etwas sehr Kostbares. Wenn Jesus uns jetzt sagt, dass diese Leidenszeit auf uns zukommt, dann werde ich getröstet durch dieses Zeugnis. Und wenn dann schlimme Dinge in der Welt passieren, wie Jesus es im Evangelium sagt, dann bedeutet das nicht, dass die Welt untergeht, sondern auch für uns gilt:

 

Das Ende kommt noch nicht sofort.

 

Gebet:

Jesus, ich freue mich nicht über dieses Evangelium, aber es gibt mir Trost, zu wissen, dass wir ganz in dir geborgen sind, wenn wir leiden müssen. Ich danke dir für die Zeugnisse von Menschen, die im Leiden deine Liebe erfahren und weitergegeben haben. Bitte hilf uns allen, dass wir dir unser Leben ganz hingeben können, was auch immer geschieht.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


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