Samstag, 13. Juli 2019

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? (Lk 10,26)

 15 Sonntag im Jahreskreis

 

 

Evangelium                                                                                                Lk 10, 25–37

In jener Zeit
25stand ein Gesetzeslehrer auf, um Jesus auf die Probe zu stellen,
und fragte ihn:
Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
26Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?
Was liest du?
27Er antwortete:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele,
mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken,
und deinen Nächsten wie dich selbst.
28Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet.
Handle danach
und du wirst leben!
29Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen
und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
30Darauf antwortete ihm Jesus:
Ein Mann ging von Jerusalem nach Jéricho hinab
und wurde von Räubern überfallen.
Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder;
dann gingen sie weg
und ließen ihn halbtot liegen.
31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab;
er sah ihn und ging vorüber.
32Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle;
er sah ihn und ging vorüber.
33Ein Samaríter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm;
er sah ihn und hatte Mitleid,
34ging zu ihm hin,
goss Öl und Wein auf seine Wunden
und verband sie.
Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier,
brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
35Und am nächsten Tag holte er zwei Denáre hervor,
gab sie dem Wirt
und sagte: Sorge für ihn,
und wenn du mehr für ihn brauchst,
werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
36Wer von diesen dreien meinst du,
ist dem der Nächste geworden,
der von den Räubern überfallen wurde?
37Der Gesetzeslehrer antwortete:
Der barmherzig an ihm gehandelt hat.
Da sagte Jesus zu ihm:
Dann geh und handle du genauso!

 

Tagesimpuls:

 

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?  (Lk 10,26)

Hier beobachte ich etwas sehr Erstaunliches. Was muss man tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Wir würden antworten: Man muss an Jesus glauben, ihm sein Leben anvertrauen, bekennen, dass er für unsere Sünden in den Tod gegangen und am dritten Tage auferstanden ist. Aber das antwortet Jesus an dieser Stelle nicht. Er sagt dem Gesetzeslehrer, dass er das Gesetzt befolgen soll, Gott lieben und die Mitmenschen lieben. Ich würde Jesus gern fragen: Ist das nicht gefährlich? Ist das nicht so, als würde er einem Humanisten sagen: „Sei ein guter Mensch!", oder einem Moslem: „Befolge den Koran!"?

 

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?

Ja, diese Frage stelle ich Jesus. Was könnte er sich bei seiner Antwort gedacht haben? Vielleicht weiß er, dass der Gesetzeslehrer sowieso nicht an ihn glauben würde. Das Gespräch würde nur in einer Konfrontation enden, und niemand hätte etwas gewonnen. Auf diese Weise kann Jesus den Gesetzeslehrer aber wenigstens einen Schritt weiter auf seinem Weg führen. Erst mal die Gebote richtig befolgen, den Sinn der Gebote (Gottes- und Nächstenliebe) verstehen, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist etwas anderes, ob ich einem Humanisten, der noch nie geglaubt habe, sage, „beginne damit, ein guter Mensch zu sein", oder ob ein Christ seinen Glauben verleugnet und verkündet: „Man muss nicht in die Kirche gehen, beten ist unwichtig, es reicht, wenn wir versuchen, gute Menschen zu sein." Der erste würde sich vorwärtsbewegen, der zweite bewegt sich rückwärts.

 

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?

Kann es sein, dass Jesus jedem auf seinem Weg zeigt, worin der nächste Schritt liegt? Und genau diesen nächsten Schritt sollen wir gehen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn der Gesetzeslehrer das schon mal beginnt, wirklich zu beherzigen, dann wird er in den darauffolgenden Schritten auch näher zum Glauben an Jesus finden. Aber für ihn ist das erst mal der nächste Schritt.

 

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?

Also dürfen wir dem Beispiel Jesu folgen. Wir sollen versuchen, zu erkennen, was für den anderen jetzt der nächste Schritt ist. Wir können tatsächlich dem Humanisten sagen: Beginne damit, wirklich ein guter Mensch zu sein. Wir sollen unseren Glauben aber nicht verleugnen. Vielleicht gibt es viele, die Jesus nicht kennengelernt haben, weil ich nichts gesagt habe. Wir müssen den Menschen den Weg zum ewigen Leben öffnen. Aber es kann unterschiedlich aussehen, je nachdem, wo der andere steht und was für ihn jetzt dran ist. Zum Beispiel habe ich von einer Frau gehört, die ihren Nachbarn liebt, indem sie mit ihm über sein großes Hobby Fußball spricht. Irgendwann wird sie mit ihm über Jesus sprechen können. Das muss man eben erspüren: Was geht jetzt, was ist jetzt dran?

 

Gebet:

Jesus, ich finde es trotzdem noch gewagt, dass du bei den Voraussetzungen für das ewige Leben an dieser Stelle nicht über den Glauben an dich sprichst. Aber andererseits entspricht es ja auch unserer Erfahrung. Wenn wir den Menschen den Glauben aufdrängen wollen, glauben deswegen ja nicht mehr Menschen. Jeder geht einen anderen Weg. Und nicht jeder kann gleich eine Lebensübergabe an dich machen. Ich will deinem Vorbild folgen. Hilf mir, den Menschen die Schritte aufzuzeigen, die für sie jetzt möglich sind, die sie jetzt gehen können, und die am Ende zu dem Ziel führen, dass sie dich im Glauben annehmen können.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
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52538 Selfkant Süsterseel 
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Fax 02456 - 3019


1 Kommentar:

  1. Jesus, ich bitte um die Gnade der Nächstenliebe, und dass ich darin die Tiefe der GOTTESLIEBE erkenne. Amen

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