Samstag, 2. Februar 2019

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. (Lk 4,24)

04 Sonntag im Jahreskreis  

 

EVANGELIUM

Lk 4, 21-30

 

In jener Zeit

21begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

22Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

23Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!

24Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

25Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.

26Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.

27Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.

28Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

29Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.

30Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

 

 

Tagesimpuls:

 

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.  (Lk 4,24)

 

Jesus spürt, dass die Menschen ihn nicht wirklich annehmen als den Messias, den Propheten, den Gott ihnen gesandt hat. Sie sehen ihn so, wie sie ihn kennen, rein menschlich, als den Sohn Josefs. Aber er ist mehr. Er ist der Sohn Gottes. In ganz Galiläa hat er begonnen, sich zu offenbaren. Aber hier in seiner Heimat wollen die Menschen das nicht glauben, sie wollen ihn nicht verstehen. Das hat zwar keiner so direkt ausgesprochen, aber Jesus spürt es. Es ist, als würden sie denken: „Was bildest du dir ein, du bist doch nichts Besonderes!"

 

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

 

Jesus spricht den Konflikt aus. Ich persönlich hätte das wahrscheinlich nicht getan. Ich hätte vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mit engen Freunden darüber gesprochen und ihnen gesagt: „Ich habe den Eindruck, die Menschen haben mich nicht verstanden." Aber Jesus wartet nicht so lange. Er sagt es direkt. Und er gibt eine biblische Erklärung. Auch in der Geschichte Israels kam es vor, dass die Propheten größeres Ansehen hatten bei Menschen aus dem Ausland als in Israel selbst. Indem Jesus diesen Konflikt offen ausspricht, provoziert er seine Zuhörer, und sie reagieren mit großem Ärger. Das, was in ihren Herzen war, kam nun heraus.

 

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

 

Ich lese dieses Evangelium nicht gern. Ich suche normalerweise nicht den Konflikt. Aber ich habe auch schon erfahren, dass es sehr viel hilft, wenn man direkt auf Menschen zugeht und mit ihnen spricht. Wie oft kommt es vor, dass man hört, dass dieser oder jener böse geredet hat über eine Sache. Wenn diese Sache mich oder die Pfarrei betrifft, dann ist es gut, direkt auf die Person zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Ich kann mich an Situationen erinnern, wo ich so gehandelt habe. Ich griff zum Telefon und rief die Person an, vereinbarte ein Gespräch, und das gab mir die Gelegenheit, die Sache klarzustellen. Ich kann sagen: Dort, wo ich diesem Mut aufgebracht und sofort reagiert habe, da hat es auch geholfen.

 

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

 

Wir müssen aber aufpassen. Manchmal ist man selber verärgert und will gerne sofort im Ärger reagieren. Das ist gefährlich. Das meinte ich auch nicht. Wenn zu viele Emotionen im Spiel sind, dann ist es besser, man wartet erst mal ein wenig ab. Das ist genauso, wenn ich weiß, dass der andere gerade sehr emotional ist. Dann ist es meistens auch besser, man gibt ihm erst einmal etwas Zeit, sich zu entspannen. Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich es immer noch nicht so einfach, zu erkennen, wie man am besten reagieren soll. Das Evangelium gibt uns keine Patentanweisung. Oft ist es auch besser, eine Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Man muss nicht alle Probleme lösen. Ich würde zusammenfassend sagen: Es gibt Situationen, wo es gut ist, ein Problem direkt auszusprechen. Aber das muss man doch in jedem Einzelfall prüfen, am besten im Gebet mit Hilfe des Heiligen Geistes. Und was dann schwer auszuhalten ist: Es ist nicht immer ein harmonisches Ende. Man muss auch damit leben, dass der andere erst mal eine Zeit braucht, um das zu verdauen. Man darf nicht denken, dass das Gespräch gescheitert wäre, weil der andere nicht so reagiert, wie ich es gewollt hätte. Jesus hält es aus, dass die Menschen erst mal sauer auf ihn sind. Viele Menschen müssen erst durch eine Phase des Protests durchgehen, bevor sie sich bekehren. Das müssen wir bereit sein, auszuhalten.

 

Gebet:

Jesus, ich bewundere dich, dass du den Mut hattest, den Konflikt so direkt anzugehen. Du hast in diesem Moment gespürt, dass du so handeln solltest. Bitte zeige auch uns, wann wir Dinge ansprechen sollen, auch wenn dies unangenehm ist. Hilf uns auch, den Protest, die Opposition der anderen auszuhalten, wenn dies nötig ist. Bewahre uns aber auch davor, den anderen Menschen unseren Ärger zuzumuten, sondern hilf uns, alles in Liebe zu sagen. Jesus, schenke uns gute und ehrliche Beziehungen gerade zu unseren nächsten Mitmenschen in unserer Heimat.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


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