Freitag, 3. August 2018

Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie. (Mt 13,57)

17 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 13,54-58.

In jener Zeit kam Jesus in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun? 

Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? 

Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? 

Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie. 

Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

 

 

Tagesimpuls:

 

Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.  (Mt 13,57)

 

Jesus löst sich von seiner Familie. Er lernt, seinen eigenen Weg zu gehen. Er kann und darf sich von seiner Familie nicht aufhalten lassen. Egal, ob sie es verstehen oder nicht, er muss seinen Weg gehen. Das gleiche gilt für die Leute aus seinem Dorf, aus seiner Heimat. Dorf und Familie haben ihm Heimat gegeben, Schutz und Halt. Aber wenn er sich jetzt daran klammert, dann kann er sich nie weiterentwickeln, dann kann er nicht in seine Bestimmung finden, in die Berufung, die er von Gott her empfangen hat.

 

Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.

 

Kleine Vögel müssen irgendwann die Geborgenheit des Nestes verlassen. Das gilt wohl für alle Lebewesen, und auch für uns Menschen. Das Leben ist ein Wagnis. Wir müssen dieses Wagnis eingehen, wir müssen lernen, das zu tun, wozu wir berufen sind. Wenn wir uns immer nur an den Menschen orientieren, die uns Sicherheit, Halt und Schutz geben, dann finden wir nicht in unsere eigene Bestimmung, die wir von Gott haben.

 

Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.

 

Was bestimmt letztlich meine Identität? Ist es die Familie? Sind es die Freunde? Oder ist es meine Identität als Kind Gottes, die ich in der Taufe empfangen habe? Ehrlich gesagt, sehe ich, dass das für viele Menschen, auch für Christen, eine eher untergeordnete Rolle spielt. Sie nehmen einen Beruf, den sie schön finden, heiraten einen Menschen, in den sie verliebt sind, kaufen sich Sachen, die sie toll finden. Aber spielt Gott dabei eine Rolle? Fragt jemand nach dem Willen Gottes? Fragt jemand nach seiner Berufung, seiner Bestimmung, die Gott in sein Leben hineingelegt hat? Aber wenn wir das nicht fragen, wovon lassen wir uns dann bestimmen? Von unserem Bauchgefühl? Von unseren Überlegungen? Aber stimmt das wirklich, oder machen wir uns nicht etwas vor? Sind wir nicht unbewusst geprägt von den Trends unserer Gesellschaft? Sind wir nicht unbewusst geprägt von dem, was unsere Eltern gemacht haben, positiv oder negativ? Viele sagen, dass sie frei wären, dass sie ihren eigenen Weg gehen würden, aber in Wirklichkeit sind sie doch fremdbestimmt, haben sie doch noch lange nicht ihre eigene Mitte gefunden. Unsere Mitte finden wir nur dann, wenn wir unsere Identität als Kinder Gottes gefunden haben. Wenn wir bewusst aus unserer Taufe heraus leben, uns bewusst an Gott, an Jesus und an der Kirche orientieren.

 

Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.

 

Jesus will ruft uns nicht dazu auf, als Individualisten unseren Glauben zu leben. Wir sind zur Gemeinschaft berufen, zur Gemeinschaft der Kirche, seiner Jüngerinnen und Jünger. Das ist eine Gemeinschaft, die uns nicht manipuliert, sondern die uns hilft, unsere eigene Berufung zu finden, unsere eigene Mitte, aus der heraus wir den Weg gehen, den Gott uns führen will.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du einen Plan für mein Leben hast, den ich entdecken kann, der sich entfalten will. Ich will als dein Kind leben, in der Freiheit der Kinder Gottes. Ich danke dir für alle meine Mitmenschen, aber ich will mich doch mehr an dir orientieren und den Weg gehen, den du mit mir gehen willst. Ich danke dir aber auch für die Gemeinschaft der Kirche, in der ich meinen eigenen Weg finden kann, die mir hilft und mir zur Seite steht.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

1 Kommentar:

  1. Guten Morgen Herr Pastor Bohnen....

    Im ersten Satz Ihres Impulses, schreiben Sie: Jesus löst sich von seiner Familie.

    Wenn ich das heutige Evangelium lese, sehe ich für mich..dass geschrieben steht "Und sie nahmen Anstoß an IHM und lehnten ihn ab"

    Ich glaube schon das Jesus gerne in seiner "Heimat" gesprochen hätte...

    Daher bitte ich heute den Herrn meinem Gott:
    ER möge mich davor bewahren über meinen Nächsten zu urteilen oder zu denken "Wer ist denn der ? Was bildet er sich ein - was meint der wohl was er is..."

    Jesus, bewahre mich davor meine Mitmenschen auf "ein Minimum zu reduzieren" und ihn somit auszugrenzen.

    Bitte schenke mir den Mut, so wie DU, aus dem Glauben (also gegründet auf Gottes Wort) heraus, "mich von Altem loszusagen und mit DIR NEUE WEGE zu gehen"

    Amen

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