Mittwoch, 4. April 2018

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte. (Joh 20,11)


Mittwoch der Osteroktav

EVANGELIUM
Joh 20, 11-18

In jener Zeit
11stand Maria draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 
12Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 
13Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 
14Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 
15Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. 
16Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 
17Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 
18Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.


Tagesimpuls:

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte.  (Joh 20,11)

Jesus hat einmal gesagt: „Wer sucht, der findet" (Mt 7,7). Genau das trifft hier auf Maria Magdalena zu. Während alle anderen nach Hause gegangen sind, bleibt sie am Grab stehen – scheinbar völlig sinnlos. Vermutlich haben die anderen gesagt: „Komm doch mit nach Hause, leg dich wieder schlafen, die letzten Tage waren sehr anstrengend für dich. Du kannst jetzt doch nichts mehr daran ändern. Du brauchst jetzt Ruhe." Aber sie lässt sich nicht besänftigen. Sie kann sich nicht damit abfinden, dass Jesus einfach so weg ist, nicht mehr da! „Und das soll es jetzt gewesen sein! Das war jetzt alles von Jesus? Die drei Jahre mit ihm, seine Wunder, seine Liebe, seine Worte?" Sie kann das nicht einfach so abhaken, als wäre es nie geschehen.

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte.

Was Maria macht und fühlt ist nicht rational. Da gibt es etwas in ihr, das hält sie am Grab Jesu. Sie kann nicht erklären, warum. Sie will einfach dableiben. Ich würde es Sehnsucht nennen. In diesem Wort steckt das Wort „Suche". Maria ist ein Mensch voller Sehnsucht. Sie sucht Jesus. Sie sucht ihn auch dann noch, wenn alles hoffnungslos scheint. Sie sucht ihn, weil sie diese innere Stimme nicht unterdrücken will, die ihr sagt, dass sie jetzt nicht aufgeben darf. Was die anderen sagen, mag vernünftig sein, sie kann es nicht annehmen. Was sie tut, mag unvernünftig sein, sie muss es tun.

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte.

Und Jesus behält Recht: „Wer sucht, der findet." Und Maria Magdalena behält Recht. Ihre Sehnsucht wird erfüllt. Jesus schenkt sich zuerst und am allermeisten dem Menschen, der die größte Sehnsucht hat, dem Menschen, der nicht aufgegeben hat. Damit ist Maria ein großes Vorbild für uns. Wenn sich Menschen stundenlang in die Kirche setzen, um eucharistische Anbetung zu machen, z.B. beim 24-Stundengebet, dann mag ein „vernünftiger" Mensch das als Zeitverschwendung betrachten. Der Mensch, der Sehnsucht nach Gott hat, sagt sich dagegen: „Ich will mehr von Gott erfahren. Es muss doch noch mehr geben." Und er bekommt Recht. Ihm zeigt sich Jesus, während er sich dem „Vernünftigen" vielleicht erst später zeigt. Unsere Sehnsucht wird von Jesus belohnt. Bleiben wir deswegen dran! Geben wir nicht auf, nie! Es gibt immer noch mehr von Gott, und dieses Mehr wird den Menschen geschenkt, die wie Maria ihre Sehnsucht ausleben.

Gebet:
Jesus, manchmal richte ich mich im Weltlichen ein. Dann bin ich ganz zufrieden mit dem, was mit mir und um mich herum geschieht. Dann geht es mir weltlich betrachtet „gut", vielleicht zu gut, denn ich fühle nicht mehr mit mit der Not der Armen, der Menschen, die leiden und Hilfe brauchen. Oh Jesus, lass die Sehnsucht in mir nicht sterben! Lass mich immer große Sehnsucht haben nach mehr von deinem Wirken! Ich will wie Maria Magdalena mich nicht begnügen mit dem, was jetzt da ist. Ich will beten und warten, damit wir mehr von dir erleben, damit die ungerechte Welt mehr erfüllt wird von deiner Liebe. Danke, dass du die Sehnsucht der suchenden Menschen erfüllst. Hilf mir, immer ein Suchender zu bleiben!


Pastor Roland Bohnen 









Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019

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