Samstag, 21. April 2018

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. (Joh 10,14)


04 Sonntag der Osterzeit

EVANGELIUM                                                                          Joh 10, 11-18

11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.


Tagesimpuls:

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. (Joh 10,14)

Jesus kennt uns, er liebt uns. Und auch wir kennen ihn. Erinnern wir uns: Das Wort „kennen" wird im Hebräischen auch für die intime Liebe benutzt. Maria sagt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" Für den Hebräer ist das tiefste Erkennen zwischen zwei Menschen die geschlechtliche Vereinigung. Dieser Sprachgebrauch zeugt von einer sehr hohen Vorstellung von Liebe, ganz im Gegenteil von der Oberflächlichkeit, die wir heute leider so oft erleben.

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.

Und dieses tiefe gegenseitige Kennen bezieht Jesus auf die Beziehung von Gott und Mensch. Es stimmt, wir vereinigen uns mit ihm in der Eucharistie. Er will in uns wohnen. Die Beziehung zwischen Jesus und uns ist ein Höchstmaß an Vereinigung, an Liebe. Durch die Eucharistie, in der wir Jesus in uns aufnehmen, werden wir so sehr eins mit ihm, wie wir mit einem anderen Menschen nie eins werden können. Jesus überwindet wirklich alle Grenzen, die uns noch voneinander trennen. Mit anderen Worten: Er versteht uns, er weiß alles, ihm müssen wir nichts erklären, mit ihm gibt es keine Missverständnisse, er spricht unsere Sprache, er allein kann sich voll und ganz auf unsere Gefühle, auf unsere Geschichte, auf unsere Erlebnisse einstellen. Keiner hat mehr Verständnis für uns als er.

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.

Aber wenn Jesus sagt: „Die Meinen kennen mich", ist das nicht eine Herausforderung? Haben wir nicht das Gefühl, ihn zu wenig zu kennen, ihn kaum zu kennen? Wenn Jesus das behauptet, dann kann es nicht sein, dass diese Aussage ein Gebot ist, das wir erfüllen müssen, so als würde er sagen: „Nun bemüht euch mal bitte darum, dass ihr mich besser kennen lernt!" Es ist vielmehr eine Gnade, die er uns geschenkt hat. Wir haben tief in uns eine Ahnung von ihm, eine Kenntnis von ihm, und diese Kenntnis ist der Motor, warum wir uns auf die Suche nach ihm begeben, warum wir ihn mehr kennenlernen wollen durch die Betrachtung der Schrift, warum wir Sehnsucht nach eine größeren Tiefe mit ihm haben. Natürlich ist es gut, wenn wir uns bemühen wollen, ihn besser kennen zu lernen. Aber die Ermutigung heute besteht darin, dass er schon eine tiefe Kenntnis von sich selbst in unser Herz gelegt hat.

Gebet:
Jesus, ich danke dir so sehr, dass du es bist, der den Prozess des gegenseitigen Kennenlernens angestoßen hat. Du hast eine tiefe Kenntnis von dir in unsere Herzen gelegt. Ja, ich will dich immer mehr kennenlernen. Danke, dass wir so sehr miteinander verbunden sind. Dass ich dich in der Eucharistie aufnehme, dass wir vereint sind in einer Tiefe, wie ich sonst mit keinem Menschen vereint sein kann.


Pastor Roland Bohnen 
   








Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019

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