Dienstag, 10. Oktober 2017

Maria hat das Bessere gewählt. (Lk 10,42)

27 Woche im Jahreskreis – Dienstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 10,38-42.

In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf.
Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.
Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

 

Tagesimpuls:

 

Maria hat das Bessere gewählt.   (Lk 10,42)

 

Dieses Evangelium finde ich so schön! Es spricht mir so aus der Seele! Und dennoch geht es mir so oft wie der Marta. Immer wieder gibt es Tage, an denen ich kaum Zeit zum beten nehme. Ich muss die Situation analysieren. Was habe ich falsch gemacht? Habe ich zu viele Termine angenommen? Wo lag der Fehler? So kann ich lernen für die Zukunft. Ich muss diese inneren „Antreiber" aufspüren, die mich immer wieder veranlassen, etwas zu tun, was mich dann letztlich daran hindert, genügend Zeit für das Gebet zu finden.

 

Maria hat das Bessere gewählt.

 

Ich sage sehr oft, dass ich zu wenig Zeit hätte oder dass ich überlastet wäre. Aber zutiefst weiß ich, dass das falsch ist. Das könnte jeder sagen. Jeder hat heutzutage viel zu tun, so scheint es zumindest. Es mag sein, dass es auch Menschen gibt, die über Langeweile klagen, aber die meisten, die ich kenne, haben sehr viel zu tun. Vielen geht es so wie mir, dass sie immer das Gefühl haben, sie hätten zu wenig Zeit. Aber wie gesagt, zutiefst weiß ich, dass diese Behauptung falsch ist. Ich weiß ganz tief in meinem Inneren, dass es eine Kopfsache ist, eine Sache des Denkens. Wenn etwas für mich wirklich wichtig ist, dann nehme ich mir die Zeit dafür. Ich bin verantwortlich für meinen Tagesablauf, nicht die anderen. Und ich teile meine Zeit ein, nicht die anderen.

 

Maria hat das Bessere gewählt.

 

Jedes Mal, wenn ich wieder auf einen Tag zurückblicke, wo ich wieder zu wenig Zeit zum Gebet gefunden habe, dann bereue ich es. Das ist aber nicht nur so, dass ich mich anklagen würde, weil mein Kopf sagt, dass das nicht gut war. Ich spüre es auch, dass ich nicht so lebendig bin, dass das Gute in mir weniger wird, dass die Versuchungen stärker werden. Ich spüre, dass ich nicht mehr so im Willen Gottes lebe, wie es sein könnte. Und wenn ich genügend bete, dann kommt wieder der Friede in mich hinein, mein Leben wird wieder stimmig, ich lebe mehr im Willen Gottes, und es geht mir insgesamt besser. Es ist schwer, die Auswirkungen der göttlichen Gnade in Worten zu beschreiben, aber ich hoffe, dass die meisten Leser mich verstehen. Wenn ich wie Maria, das Bessere erwähle, dann läuft mein Leben eher gut, und wenn ich wie Marta mich von den Sorgen und Aktivitäten treiben lasse, dann ist es wie eine „Spirale nach unten", dann wird es immer schlechter. Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal gebetet habe, dass ich es spüre, wenn ich mich von Gott abwende. Ich wollte, dass Gott mich an diesen „point of no return" führt, wo es nicht mehr zurück geht, wo ich ihn wirklich brauche. Dieses Gebet ist wahrhaftig erhört worden. Ich spüre es wirklich stark.

 

Maria hat das Bessere gewählt.

 

Also nehme ich mir immer wieder vor, mit Maria das Bessere zu erwählen, die Zeit so einzuteilen, dass ich genug Zeit für das tägliche Gebet einplane. Das ist manchmal auch eine Frage der langfristigen Planung. Ich will darauf achten, dass die Tage nicht lückenlos gefüllt sind mit Terminen. Es mag Ausnahmen geben, wo Notfälle sind, was ich nicht in der Hand habe. Aber dort, wo ich es planen kann, da möchte ich so planen, dass es noch Räume für das Gebet gibt. Und wenn diese Räume dann da sind, dann will ich darauf achten, dass ich mich dann nicht ablenken lasse.

 

Gebet:

Jesus, du hast Maria gelobt, weil sie sich Zeit genommen hat mit dir. Du zeigst uns damit den Weg für unser Leben. Natürlich ist das Ziel die Liebe, das hast du sehr deutlich gemacht. Aber in unserer Schwachheit brauchen wir zunächst deine Liebe, damit wir diese Liebe an die Menschen weiterschenken können. Wir brauchen dich. Ohne dich können wir nichts tun. Lass mich in meiner Berufung leben! Lass mich so leben, dass ich ein von dir Geliebter bin, einer, der ganz aus deiner Liebe heraus lebt. So hast du es für mich vorgesehen. Ich will mir neu vornehmen, nicht davon abzuweichen.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

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