Samstag, 14. Oktober 2017

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. (Mt 22,9)

28 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 22, 1-14

 

In jener Zeit

1erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:

2Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.

3Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.

4Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

5Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,

6wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.

7Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

8Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden.

9Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

11Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.

12Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.

13Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

14Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.  (Mt 22,9)

 

Gott geht es um die Quantität, er will alle einladen, so viele wie möglich sollen kommen. Aber es geht ihm auch um die Qualität, denn wer kein Hochzeitsgewand anhat, kann nicht bleiben. Es ist nicht so, dass einfach jeder mitmachen kann, gewisse Voraussetzungen muss man schon erfüllen. Wenn dieses Gleichnis für das Reich Gottes steht, dann heißt das, dass alle eingeladen sind, alle sollen dazugehören, aber man muss auch entsprechend leben, man braucht auch eine entsprechende Haltung, um an diesem Fest teilnehmen zu können.

 

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

 

Das Reich Gottes existiert schon auf dieser Erde, und es vollendet sich nach diesem irdischen Leben. Also hier auf Erden gilt schon, dass wir so offen wie möglich sein sollen, alle einladen, alle einbeziehen, aber wer nicht ein Minimum an Liebe mitbringt, der schließt sich auch selber wieder aus. Es gibt also Qualitätsmaßstäbe auch schon hier in der Kirche, unter ein gewissen Minimum können wir da nicht gehen. Das verträgt sich nicht mit dem Prinzip der Offenheit, und  daher gibt es in der Kirche immer diese Spannung, so wie sie auch in diesem Gleichnis schon angesprochen ist. Gerade wenn nur wenige der Einladung folgen, dann will man die wenigen um jeden Preis behalten, aber es gibt Grenzen, wo es einfach nicht geht.

 

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

 

Ich persönlich finde, dass das größere Problem der Kirche heute die Offenheit ist. Wir laden nicht alle ein. Wir sagen zwar theoretisch, dass wir offen sind, wenn aber wirklich mal einer kommt, der kein regelmäßiger Kirchgänger ist, dann fühlt er sich sehr deplatziert, findet keinen Zugang, und es gibt fast nie jemanden in der Gemeinschaft der regelmäßigen Kirchgänger, der auch nur die geringste Anstrengung übernimmt, um den Neuen irgendwie zu integrieren. Es scheint auch so, als wären alle damit völlig überfordert, und keiner hat auch nur eine Idee, was man tun könnte, damit ein Neuer sich irgendwie wohlfühlen könnte. Wir sollten also zu allererst mal über unsere Offenheit nachdenken, das Thema der „Qualitätsanforderungen" können wir da ruhig erst mal ganz weit zurückstellen. Im Gleichnis ist es genauso. Erst mal gelten alle Anstrengungen der Einladung. Fast verzweifelt ist der Gastgeber bemüht, dass Leute kommen. Die Frage nach dem Hochzeitsgewand kommt ganz zum Schluss. So weit sind wir meines Erachtens nach auch noch lange nicht.

 

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

 

Geht auf die Straßen! Darin liegt ja auch ein Apell, dass wir nicht nur warten, ob mal ein Neuer kommt. Das heißt ja auch, dass wir aktiv einladen sollen an Orten, die keine typischen Kirchenorte sind. Dazu müssen wir begeistert und positiv von der Kirche sprechen. Tun wir das? Können wir das? Oder haben wir wenigstens einen kirchlichen Ort, zu dem wir mal Neue mitbringen können? Über den wir auch begeistert sprechen können, zu dem wir einladen können? Vielleicht ist es ja auch ein Gebetskreis. Heute werden wir von Jesus aufgefordert, Menschen zum Reich Gottes einzuladen. Bitten wir den Heiligen Geist, dass er uns dazu genügend Kreativität schenkt!

 

Gebet:

Jesus, du willst, dass wir deine Boten sind und zum Reich Gottes einladen. Das Reich Gottes soll hier schon beginnen, nicht erst nach dem Tod. Bitte hilf uns, dass unsere kirchlichen Zusammenkünfte einladend sind. Bitte schenke uns auch andere kirchliche Orte, wie z.B. Gebetskreise, zu denen wir Menschen einladen können. Bitte zeige auch uns, jedem einzelnen, wie wir noch besser begeistert über dich und deine Kirche sprechen können, wie wir andere Menschen einladen können.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

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