Freitag, 14. Juli 2017

Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. (Mt 10,19)

14 Woche im Jahreskreis – Freitag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 10,16-23.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!
Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen.
Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.
Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.
Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in eine andere. Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.

 

Tagesimpuls:

 

Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. (Mt 10,19)

 

Jesus predigt Kreuz und Auferstehung. Wir werden beides erleben, und beides findet irgendwie gleichzeitig statt. Wir werden von allen (grundlos) gehasst. Das erleben wir schon. Gleichzeitig erleben wir Gottes wunderbare Bewahrung, die Führung des Heiligen Geistes, der uns eingibt, was wir sagen sollen. Gott ist spürbar da in unserem Leben, nicht nur als Gefühl, auch ganz real mit Zeichen und Wundern. Aber zugleich gibt es auch immer diese Stunden, wo der Teufel die Macht hat (Lk 22,53), wo die Herrlichkeit Gottes nicht offenbar wird, die Stunden des Kreuzes.

 

Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.

 

Im Johannesevangelium wird dieses Ineinander von Kreuz und Auferstehung am intensivsten ausgedrückt. Wenn der Evangelist Johannes von der Kreuzigung spricht, dann spricht er von „Erhöhung" (z.B. Joh 12,32). Ich glaube, hier leuchtet etwas von der christlichen Erfahrung auf: Wir erleben Kreuz und Auferstehung nicht nur abwechselnd, sondern sogar gleichzeitig. Die Mystiker erleben im Schmerz die tiefste Erfahrung der Nähe Gottes. Ich muss allerdings gestehen, dass ich es eher abwechselnd erlebe, manchmal die Dunkelheit, manchmal das Licht, mal das Kreuz, mal die Auferstehung. Ich kann mit aber sehr gut vorstellen, und ich glaube auch daran, dass man an einen Punkt kommt, wo man im Kreuz die Herrlichkeit Gottes spürt. Diese Erfahrung beschreibt Jesus hier. Man wird verhaftet, ausgepeitscht, verhört, und zugleich erlebet man die Führung des Heiligen Geistes, den Beistand Gottes, der durch uns redet und uns übernatürliche Hilfe gibt.

 

Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.

 

Was lernen wir daraus? Ich lerne, dass ich den Widerstand der Menschen, die Ablehnung, nicht vermeiden kann und nicht vermeiden soll. Ich muss fest damit rechnen, dass Ablehnung kommt, ich kann und soll es nicht verhindern, ich muss den Menschen zugestehen, dass viele von ihnen auf ihrem Weg zu Gott diese Phase durchlaufen müssen. Und vielleicht ist es sogar so, dass viele nie zum Glauben kämen, wenn sie nicht diese „Trotzphase" durlaufen würden. Die Trotzphase tut uns zwar weh, aber wir müssen sie auf uns nehmen um des Heiles der Menschen willen. Wenn wir die Menschen in Watte packen, damit sie nicht in die Trotzphase kommen, dann werden sie sich auch keinen Schritt weiter entwickeln, dann werden sie vielleicht nie zum Glauben finden, weil wir immer Angst hatten, den Glauben wirklich und authentisch zu verkünden. Daher lerne ich, mit dem Phänomen der Ablehnung einfach mutiger umzugehen, es als notwendigen Schritt der Menschen zu akzeptieren.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du mir immer mehr Einsicht schenkst. Ich sehe, welche große Bedeutung das Kreuz auch in unserem Leben hat. Ich habe Angst davor, ich wünsche mir lieber alles harmonisch. Aber ich will mein Leben in deine Hände legen. Ich will dir vertrauen. Führe mich so, wie es für mich und meine Mitmenschen gut ist, nicht so, wie ich es gerne hätte. Und hilf mir, beim Kreuz nicht immer so sehr zu erschrecken, sondern zu wissen, das muss jetzt sein, damit die Menschen weiterkommen, damit du deine Herrlichkeit offenbaren kannst.

 

 

Pastor Roland Bohnen