Samstag, 15. Juli 2017

Dann aber ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht. (Mt 13,22)

15 Sonntag im Jahreskreis  

 

EVANGELIUM 

Mt 13, 1-23

 

1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

3Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.

4Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9Wer Ohren hat, der höre!

10Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du ihnen in Gleichnissen?

11Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben.

12Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.

13Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.

14An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen aber nicht erkennen.

15Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.

16Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören.

17Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

18Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

19Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.

20Auf felsigen Boden ist der Samen gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,

21aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.

22In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

23Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

 

Tagesimpuls:

 

Dann aber ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.  (Mt 13,22)

 

Mit diesem Gleichnis drückt Jesus seine Enttäuschung darüber aus, dass viele Menschen nicht an ihn glauben. Er erklärt das damit, dass seine Worte nur bei wenigen auf guten Boden fallen. Und er erklärt die Gründe, warum seine Worte nicht immer auf guten Boden fallen. Oder anders ausgedrückt: Was sind die Gründe, die uns an Glauben und Vertrauen hindern. Da ist als erstes die Ignoranz, dass die Menschen einfach keine Ahnung haben und das Wort Gottes nicht verstehen; als zweites die Bedrängnisse, dass jemand, der noch nicht gefestigt ist in der Freundschaft mit Jesus, sich sehr leicht durch Schwierigkeiten vom Glauben und von der Nachfolge abhalten lässt. Und der dritte Punkt sind eben die Sorgen und der Reichtum.

 

Dann aber ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

 

Dieser Punkt ist, so finde ich, für unsere jetzige Situation besonders wichtig. Sorgen, das ist im Klartext Unglaube. Es gibt viele Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. Daran ändere ich auch nichts, wenn ich mir Sorgen mache. Jesus sagt: „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?" (Mt 6,27) Statt zu sorgen sollen wir beten. „Werft alle eure Sorgen auf den Herrn, denn er kümmert sich um euch", schreibt der heilige Petrus (1 Petr 5,7).

 

Dann aber ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

 

Das Vertrauen auf den Reichtum ersetzt in unserer Gesellschaft vielfach das Vertrauen auf Jesus, auch bei uns Christen. Ärmere Menschen haben nicht automatisch einen größeren Glauben, aber es gibt dort mehr und tieferen Glauben aus bei uns. Man hat den Eindruck, als würde sich unser Reichtum schädlich auswirken auf das Wachstum des Glaubens. Jesus sieht es so, und deswegen sagt er in den Seligpreisungen als erstes: „Selig die arm sind" (Mt 5,3).

 

Dann aber ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

 

Bitten wir Jesus, dass er uns hilft, dass unser Herz ein guter Boden ist für das Wort Gottes. Maria ist uns da ein Vorbild. Sie hat sich dem Worte Gottes geöffnet, hat vollkommen auf ihn vertraut. Und sie hat sich nicht ablenken lassen von Sorgen und Reichtum.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für dein Wort. Ich leide mit dir daran, dass es von vielen Menschen nicht angenommen wird. Aber ich gehöre auch zu denen, die sich hindern lassen am tiefen Glauben und Vertrauen. Bitte hilf mir, dass ich voll und ganz vertraue, dass ich alles in deine Hände lege, mich nicht sorge, und dass ich nicht durch den Reichtum abgelenkt werde.

 

 

Pastor Roland Bohnen