Dienstag, 16. Mai 2017

Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe. (Joh 14,28)

05 Woche der Osterzeit – Dienstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Jn 14,27-31a.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht,
aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.

 

Tagesimpuls:

 

Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe. (Joh 14,28)

 

Echte Liebe kann loslassen. Häufig mischen sich egoistische Motive in die Liebe. Man will den anderen festhalten, man will ihn manipulieren, er soll so sein, wie ich ihn haben will, er soll das tun, was ich gerne hätte. Aber wahre Liebe lässt los. Eltern entlassen ihre Kinder in die Freiheit. Ja, sogar wenn man sich in einen Menschen verliebt hat, aber man erkennt, dass man nicht zu einer Partnerschaft in der Ehe berufen ist, dann lässt man den anderen los, weil man ihn liebt. Er soll den Weg finden, auf den Gott ihn ruft, er soll glücklich werden. Wir dürfen Menschen nicht festhalten.

 

Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe.

 

Wenn die Jünger Jesus loslassen sollen, dann nicht, weil Jesus persönlich glücklicher wird, wenn er zum Vater geht. Hier geht es vielmehr darum, dass Gottes Wille geschieht, dass Gottes Plan erfüllt wird. Jesus will absolut nur Gottes Willen leben. Und das bedeutet, dass er für die Erlösung der Menschheit in den Tod gehen wird. Wer Jesus wirklich liebt, der versucht nicht, ihn an diesem Weg zu hindern. Es geht nicht darum, was Jesus persönlich schön oder nicht schön findet. Es geht um den Plan Gottes.

 

Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe.

 

Auch wir müssen Menschen loslassen, damit der Plan Gottes geschehen kann. Es darf nicht darum gehen, was wir schön oder nicht schön finden. Wir sollen Ja sagen zum Plan Gottes. Wir dürfen mit unseren egoistischen Wünschen diesem Plan nicht im Weg stehen. Manche Menschen täuschen sich selber sehr, indem sie sagen: „Ich will doch nur das Beste für diese oder jene Person." Aber in Wirklichkeit wollen sie den Menschen festhalten, manipulieren. Sie wollen, dass ihr eigener Wille geschieht. Ich als Pastor tappe auch in diese Falle. Ich denke auch: „Ich will doch nur das Beste für die Gemeinde." Stattdessen sollte ich besser von meinen Plänen loslassen, die Menschen loslassen. Gott will führen, aber das sieht ganz anders aus, als ich es mir vorstelle.

 

Gebet:

Jesus, ich will loslassen, aber es ist nicht einfach. Bitte zeige mir, wo ich mich selber täusche. Hilf mir, die Menschen wirklich loszulassen, dass ich völlig frei bin, deinen Willen zu akzeptieren. Ja! Dein Wille soll geschehen, auch wenn ich selber andere Vorstellungen habe.

 

 

Pastor Roland Bohnen