Montag, 22. Mai 2017

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. (Joh 15,27)

06 Woche der Osterzeit – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Jn 15,26-27.16,1-4a.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.
Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert.

 

Tagesimpuls:

 

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. (Joh 15,27)

 

Wir haben ein zweifaches Zeugnis, welches uns zum Glauben an Jesus führt: Das des Heiligen Geistes und das der Apostel. Das Zeugnis der Apostel, die von Anfang an bei Jesus waren, schließt das Zeugnis der Heiligen Schrift mit ein, denn die Bibel beruht auf dem Zeugnis der Apostel. Ebenso sieht die Katholische Kirche das Zeugnis der apostolischen Tradition als sehr wichtig an. Denn schon in der nächsten Generation nach dem Tod der Apostel fragte man bei Unklarheiten diejenigen, denen die Apostel durch Handauflegung ihr Amt weitergegeben hatten. Man vermutete die größte Nähe zum Ursprung, zu Jesus, bei denen, die unmittelbar von den Aposteln belehrt worden waren. Und so ging es weiter bis heute. Man nennt das „aopstolische Sukzession", also apostolische Nachfolge. Jeder heutige katholische (und orthodoxe) Bischof kann von sich eine ununterbrochene Kette der apostolischen Sukzession nachweisen. Generation für Generation wurde das Apostelamt (heute Bischof genannt) durch Handauflegung weitergegeben.

 

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

 

M.E. dürfen wir es noch weiter ausdehnen: Wir haben das Zeugnis der Kirche. Die Apostel und Bischöfe haben nur die Aufgabe, aufzupassen, dass dieses Zeugnis der Kirche nicht verfälscht wird. Solche Verfälschungen hat es immer gegeben, z.B. dass gesagt wird, Jesus sei nur ein normaler Mensch gewesen, er hätte keine Wunder gewirkt uvm. Dagegen ist die Kirche als Ganzes aufgefordert, das echte Zeugnis von Jesus weiterzugeben. Das schließt Bischöfe und Priester und das ganze priesterliche Gottesvolk ein. Jeder soll das echte Zeugnis geben von Jesus.

 

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

 

Und unser kirchliches Zeugnis, an dem wir alle beteiligt sind, wird ergänzt durch das Zeugnis des Heiligen Geistes, der in den Herzen wirkt. Dieses Zeugnis sollen wir nicht unterschätzen. Es hängt nicht alles von uns ab. Wir müssen nicht alles perfekt erklären. Der Heilige Geist wirkt in den Herzen der Menschen, wenn wir nur Zeugnis geben, so gut wir können. Ich wundere mich manchmal, wie viel die Menschen verstanden haben, auch wenn ich selber denke, dass meine Predigt eher mittelmäßig war. Wir dürfen vertrauen, dass das Zeugnis des Heiligen Geistes nie fehlt. Vielleicht wirkt der Heilige Geist in den Menschen auch als Gewissen. Wir ärgern uns womöglich, dass sie nichts verstanden haben, aber dennoch spüren sie etwas in ihrem Gewissen, auch wenn sie es nicht nach außen zugeben. Vertrauen wir auf das Zeugnis des Heiligen Geistes.

 

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

 

Dieses Wort hilft uns entspannt zu sein. Wir müssen „nur" Zeugnis geben, nicht mehr und nicht weniger. Wir müssen keinen überzeugen. Wir müssen nichts über's Knie brechen, nichts erzwingen. Hauptsache, dass doppelte Zeugnis kommt in die Welt: Das Wort der Kirche (unsere Worte) und das Zeugnis des Heiligen Geistes in den Herzen!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns beauftragst zum Zeugnis. Ich will sehr gerne Zeugnis geben von dir. Danke, dass ich als Priester so viele Möglichkeiten habe. Ich sehe aber auch, wie viele Möglichkeiten die Laien – dein Volk – haben, denn sie kommen zu Menschen, zu denen ich nicht kommen kann. Jeder von uns wird in so zahlreiche Situationen gestellt, wo wir von dir Zeugnis geben können! Und ich danke dir, dass ich dabei si entspannt sein kann. Ich muss ja nur Zeugnis geben. Dein Heiliger Geist wirkt immer in den Herzen. Ich muss niemanden zu etwas zwingen. Ich darf meinen Teil tun, und das ist gut so.

 

 

Pastor Roland Bohnen