Samstag, 27. Mai 2017

Für sie bitte ich. (Joh 17,9)

07 Sonntag der Osterzeit

 

EVANGELIUM

Joh 17, 1-11a

 

In jener Zeit

1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.

2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.

5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.

7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.

8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.

10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.

11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

 

 

Tagesimpuls:

 

Für sie bitte ich. (Joh 17,9)

 

Jesus betet für uns. Wir müssen uns das klar machen, damit wir nicht eine falsche Vorstellung vom Gebet bekommen. Wenn man noch keinen großen Glauben hat, dann glaubt man nicht, dass Gott es gut mit uns meint. Dann betet man in der Haltung des Unglaubens. Man bittet Gott, vielleicht quengelt man auch wie ein Kind, dass Gott es doch endlich gut mit mir meinen möge und mir das geben möge, was ich haben will. Wenn man dagegen einen größeren Glauben hat, dann weiß man, dass Gott es gut meint, immer. Er meint es noch viel besser mit mir und mit der Welt, als ich es jemals meinen kann. Wenn es jemanden gibt, der ein Interesse daran hat, uns Menschen zu helfen, dann ist es Gott. Wir müssen Gott nicht erst im Gebet überreden, gut zu uns zu sein.

 

Für sie bitte ich.

 

Weil Gott es so gut mit uns meint, deshalb hat Jesus uns alles geschenkt. Er hat nichts zurückgehalten. Er betet für uns. Wie ist denn das zu verstehen? Muss Jesus denn etwa erst den Vater überreden, dass der Vater es endlich gut mit uns meinen möge? Nein! Jesus und der Vater sind eins. Jesus meint es unendlich gut mit uns, der Vater meint es unendlich gut mit uns. In Gott gibt es keine Spaltung, keine Zwietracht. Aber was heißt dann beten? Was bedeutet, dass Jesus für uns betet?

 

Für sie bitte ich.

 

Beten ist zuerst eine Liebesbeziehung. Im Rahmen dieser Liebesbeziehung steht die Fürbitte. Aber die Fürbitte ist nicht alles im Gebet. Wenn die Fürbitte ihren richtigen Stellenwert hat in dieser Liebesbeziehung, dann steht das Habenwollen nicht im Mittelpunkt. Der Beter weiß, dass Gott ihm alles schenkt. Wenn er Gott um etwas bittet, dann ist es so wie das Abholen, das in Empfang-Nehmen der Gaben Gottes. Ich rufe seine Barmherzigkeit auf einen Menschen herab. Ich weiß, dass ich durch meine Fürbitte Segen verschenken kann im Namen Gottes. Gott will das. Er will, dass wir uns gegenseitig nicht nur irdische Gaben, sondern auch himmlische Gaben schenken können. Das ist Fürbitte. Es ist wie, wenn ich einen Freund besuche und ihm ein Geschenk mitbringe. So erbittet Jesus für uns Geschenke von Gott. Nicht, dass er Gott umstimmen müsste, gut zu uns zu sein, sondern es ist genau der Ausdruck der Güte Gottes. In der Fürbitte Jesus zeigt sich Gottes Güte zu uns. Er schenkt uns alle Gaben, die Gott uns irgendwie schenken kann.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du für uns betest. Ich danke dir, dass du uns schon alles geschenkt hast, dass du nichts zurückgehalten hast. Im Gebet will ich immer wieder deine Gaben abrufen, deine Geschenke abholen, die Welt mit Segen erfüllen. Ich will mit helfen, deinen Segen in der Welt zu verteilen, indem ich bete. Aber hilf mir auch, zu beachten, dass mein Gebet zu allererst eine Liebesbeziehung zu dir ist.

 

 

Pastor Roland Bohnen