Donnerstag, 25. Mai 2017

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. (Mt 28,19)

CHRISTI HIMMELFAHRT

 

EVANGELIUM                                                                           Mt 28, 16-20

 

In jener Zeit

16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. (Mt 28,19)

 

Ich finde dieses Evangelium sehr schön. Wir feiern Christi Himmelfahrt. Das ist ein schönes Fest. Jesus geht in den Himmel, um eine Wohnung für uns vorzubereiten. Aber trotzdem gibt es etwas in mir, was sich sträubt. Ich will nicht zu allen Völkern gehen und alle Menschen zu Jüngern Jesu machen. Warum nicht? Finde ich das nicht schön? Doch! Ich freue mich sehr, wenn Menschen zu Jesus finden. Das sind die schönsten Momente in meinem Leben. Aber trotzdem will ich nicht zu allen Menschen gehen und sie zu Jüngern machen.

 

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

 

Wo liegt dann das Problem? Ich glaube, es hat mit Ablehnung zu tun. Ich befürchte, abgelehnt zu werden, wenn ich auf die Menschen zugehe. Es fühlt sich so an, als wären die meisten Menschen ohne Gott zwar nicht glücklich, aber doch irgendwie zufrieden. Sie suchen das Glück, glauben aber, dass sie es nicht in Gott finden, sondern auf anderen Wegen. Glaube an Gott, und vor allem die Kirche, scheint ihnen nur eine zusätzliche Belastung zu sein in einer Welt, die sowieso schon stressig genug ist.

 

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

 

Das ist natürlich ein dickes Vorurteil, das ich gegen die Menschen habe. Ich sagte ja auch „es fühlt sich so an". Weiß ich, ob es wirklich so ist? Oft erlebe ich es anders. Wenn ich einmal dennoch trotz allem den Mut habe, über Jesus zu sprechen, dann erlebe ich auch viel Offenheit. Ehrlich gesagt: Ich erlebe beides: Ablehnung und Offenheit. Aber die Erfahrungen der Ablehnung prägen mehr mein Denken als die positiven. Dass die Menschen keine Lust darauf haben, von Jesus zu hören, hat sich tief in mir eingebrannt. Hier ist der Ansatzpunkt. Muss ich nicht immer wieder allen verzeihen, die mich abgelehnt haben, damit ich frei werden kann, auf die Menschen zuzugehen und ihnen von Jesus zu erzählen? Hier liegt noch eine Aufgabe, die ich mit mir selber und mit Gott klären muss.

 

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

 

Aber irgendwann muss ich beginnen, herauszutreten aus meinem Schneckenhaus. Jesus braucht mich. Ohne mich kann er viele Menschen nicht erreichen. Unsere Welt, unsere Gesellschaft braucht Jesus so dringend! Jesus ist die beste Medizin für alle Probleme. Wir müssen auf die Menschen zugehen und dürfen nicht so lange zögern. Wir müssen mit Liebe auf sie zugehen. Liebe, das bedeutet, sie anzuhören, uns für sie zu interessieren, aber auch sie zu warnen und ihnen zu helfen. Wenn wir den Menschen nicht Jesus bringen, dann lieben wir sie nicht wirklich.

 

Gebet:

Jesus, hilf mir, meine Angst vor Ablehnung zu überwinden, indem ich allen verzeihe, die mich je abgelehnt haben. Hilf mir, mit Liebe auf die Menschen zuzugehen, d.h. dass ich ihnen von dir erzähle, dich bringe, damit du auch ihr Leben verbessern kannst. Du bist der einzige, der uns in all unseren Problemen helfen kann. Wir alle brauchen dich. Unsere ganze Gesellschaft braucht dich. Und ich will dein Bote sein, so wie du es für mich bestimmt hast.

 

 

Pastor Roland Bohnen