Dienstag, 18. April 2017

Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen. (Mt 28,10)

Osteroktav - Dienstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 28,8-15.

Nachdem die Frauen die Botschaft des Engels vernommen hatten, verließen sie sogleich das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße.
Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.
Noch während die Frauen unterwegs waren, kamen einige von den Wächtern in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.
Diese fassten gemeinsam mit den Ältesten den Beschluss, die Soldaten zu bestechen. Sie gaben ihnen viel Geld
und sagten: Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen.
Falls der Statthalter davon hört, werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt.
Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte. So kommt es, dass dieses Gerücht bei den Juden bis heute verbreitet ist.

 

Tagesimpuls:

 

Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen. (Mt 28,10)

 

Warum will Jesus den Jüngern in Galiläa erscheinen? Natürlich ist das Gottes souveränes Handeln. Wenn er es so will, dann ist es so. Aber vielleicht hat das ja eine Bedeutung. Vielleicht will Jesus den Jüngern damit etwas zu verstehen geben. Wir dürfen uns unsere Gedanken dazu machen, ob dies eine besondere Bedeutung haben könnte.

 

Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.

 

Galiläa ist der Ort, an dem alles begonnen hatte. Und Jesu Tod und Auferstehung ist so etwas wie ein Neuanfang. Sie sollen noch einmal an den Anfang zurückgehen, an die Stellen, wo Jesus sie als erstes berufen hatte. Vielleicht sollen sie auch noch einmal alles Revue passieren lassen, sich ihrer Berufung neu bewusst werden. In diesen Anfängen lagen sehr starke Erfahrungen. Denken wir z.B. an den sogenannten Galiläischen Frühling, wo Jesus Hunderte von Menschen geheilt hatte, an die Berufung der ersten Jünger, an die Brotvermehrung und vieles mehr. Der Rückblick auf die Anfangszeit kann den Jüngern eine Hilfe sein, in der Krise den Weg nicht zu verlieren.

 

Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.

 

Für uns ist dies auch immer wieder eine heilsame Erfahrung. In einer Krise können wir auf die Anfangszeit unserer Berufung schauen, als uns alles völlig klar war, als Gott zu uns gesprochen hat, als der Glaube tief in unser Herz verwurzelt wurde. Vielleicht ist es ähnlich wie bei einer Ehe. Wenn die Paare an die Zeit ihrer erste Liebe zurückdenken, wenn sie vielleicht sogar die Orte aufsuchen, wo sie sich kennen- und lieben gelernt hatten, dann könnte das helfen, in einer Krise einen neuen Anfang zu finden. Mir selber hilft es jedenfalls sehr, wenn ich mich auf die Momente meiner Berufung zurückbesinne, auf die Stunden meiner ersten Liebe zu Jesus.

 

Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.

 

Ja, unser christlicher Glaube hat sehr viel zu tun mit Erinnern. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!", sagt Jesus. Wir erinnern die Heilstaten Gottes. Erinnern ist mehr als Nostalgie, es ist viel mehr als in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Durch das Erinnern werden Gnaden wieder neu aktiviert, wird die Liebe wieder neu gegenwärtig. Und wir sehen in diesem Evangelium sehr deutlich, dass Erinnern weit mehr ist als nur in der Vergangenheit leben: „Dort werden sie mich sehen"! Also am Ort der ersten Liebe, am Ort der Berufung wird es eine neue Begegnung mit Jesus geben, und dieses Mal mit dem Auferstandenen! Wenn wir zurückgehen an die Anfänge, dann ist dies genau der Ort, wo und wie Jesus uns begegnen will.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du auferstanden und den Jüngern erschienen bist. Du bist wirklich von den Toten auferstanden. Du lebst. Danke, dass du uns begegnen willst. Danke, dass wir dich erleben können. Lass auch uns immer wieder deiner Heilstaten gedenken, damit wir dir immer wieder begegnen können, besonders auch in Momenten der Krise. Schenke uns immer wieder einen Neuanfang der Liebe zu dir.

 

 

Pastor Roland Bohnen