Samstag, 8. April 2017

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. (Mt 21,5)

PALMSONNTAG

 

 

EVANGELIUM

Mt 21, 1-11

 

1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus

2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir!

3Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.

4Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:

5Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

6Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.

7Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf.

8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!

10Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?

11Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

 

 

Tagesimpuls:

 

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. (Mt 21,5)

 

„Siehe, dein König kommt zu dir!" Jesus ist der König Israels, und er reitet in seine Hauptstadt ein. Die Menschen bejubeln ihn. Es war nicht die große Mehrheit der Bevölkerung, eher eine relativ kleine Schar seiner Jünger, die ihn begleitete. Jesus ist ein bescheidener König, ein demütiger König. Ein mächtiger Kriegsherr würde auf einem Pferd reiten, „auf dem hohen Ross sitzen", wie die Redensart es ausdrückt, wenn sie sagen will, dass ein Mensch überheblich ist und auf andere herabschaut. Aber davon ist bei Jesus nichts zu spüren. Er sitzt nicht auf dem hohen Ross, sondern auf einer Eselin, die von ihrem Fohlen begleitet wird.

 

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

 

Ich muss an Papst Franziskus denken, der einen alten Kleinwagen als Dienstwagen fahren will, kein protziges Statussymbol wie die meisten Regierungschefs heute. Papst Franziskus hat diese Einstellung, wie Jesus sie hatte. Er will nicht von oben herab auf die Menschen wirken. Er will durch seinen Lebensstil ausdrücken: Ich bin ein einfacher Mensch wie ihr alle. Wenn man überzeugen möchte, dann muss man so handeln. Durch die Einfachheit, durch Demut und Bescheidenheit überzeugt Jesus, überzeugt Papst Franziskus. Und Jesus will ein König sein, der überzeugt, und nicht einer, der mit Macht etwas durchsetzt.

 

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

 

Die heutige Kirche hat auch keine Macht mehr. Die gesellschaftliche Machtposition, die sie in vergangenen Zeiten inne hatte, wird von den Menschen heute in Frage gestellt. Die Kirche soll nicht mit Macht, sondern mit Überzeugungskraft regieren. Wobei regieren meint: Jesus will König in unseren Herzen sein, aber ganz ohne Macht, ganz ohne Zwang, eben nur durch Überzeugung. Und so soll es auch bei uns sein. Auch wir sollen bescheiden sein, nie auf unser Recht pochen, keine großen oder gar protzigen Statussymbole benutzen, einfach leben, damit unser Leben diese Überzeugungskraft gewinnen kann.

 

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

 

Achten wir heute darauf, dass wir nicht der Versuchung erliegen, Menschen zu manipulieren, unseren Willen durchzusetzen. Immer wieder müssen wir loslassen von allem, was uns anderen Menschen gegenüber stark und groß erscheinen lassen will. Vor allem dürfen wir nie einen anderen klein machen wollen. Wir sollen bescheiden sein, nichts mit Gewalt erzwingen wollen, sondern immer wieder loslassen von dem Wunsch, unseren eigenen Willen durchzusetzen. Lernen wir von der Demut und Bescheidenheit Jesu! Denken wir an die Eselin mit ihrem Fohlen! So soll auch unser Weg aussehen. Wenn wir darauf verzichten, andere manipulieren zu wollen, dann wird unser Leben Überzeugungskraft gewinnen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für dein Vorbild der Bescheidenheit und Demut. Du hast dich nicht durchgesetzt, im Gegenteil, am Kreuz bist du zunächst gescheitert. Gott hat dich durch die Auferweckung bestätigt, nachdem du selber alles losgelassen hast. Hilf uns, auch so zu leben wie du. Wir wollen nie etwas erzwingen, sondern darauf vertrauen, dass es am besten ist, wenn wir von unserem eigenen Willen loslassen und alles in deine Hände legen. Lass unser Leben authentisch und glaubwürdig werden.

 

 

Pastor Roland Bohnen