Mittwoch, 19. April 2017

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen. (Joh 20,12)

Osteroktav - Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Jn 20,11-18.

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

Tagesimpuls:

 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen. (Joh 20,12)

 

Mich erinnert dies an die Marienerscheinungen von Fatima. Zunächst war auch dort den Kindern ein Engel erschienen, danach dann Maria. Die Engel scheinen eine vorbereitende Funktion zu haben. Hieraus wiederum kann man schließen, dass wir Menschen eine Vorbereitung brauchen, um eine Gottesbegegnung empfangen zu können. Worin genau nun hat die Vorbereitung bei Maria bestanden?

 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.

 

Zunächst einmal zeichnet sich Maria dadurch aus, dass sie viel mehr Geduld hat, viel länger am Grab bleibt als die anderen. Dies scheint mit ihrer großen Liebe zu Jesus zu tun zu haben. Immer schon liebte sie es, Zeit mit Jesus zu verbringen. Der großen Liebe entspricht nun eine große Trauer. Und während alle anderen nach Hause gehen, bleibt Maria immer noch da. Für uns könnte das bedeuten: Wir müssen Geduld haben beim Beten, auch relativ viel Zeit im Gebet verbringen. Dabei darf das Gebet eine Form der Trauer besitzen, die Trauer über die Abwesenheit Gottes, die Trauer darüber, dass er nicht stärker eingreift in mein Leben und das Leben der Welt. Das Gebet kann ein Ausdruck meiner Sehnsucht sein, meiner Liebe zu Jesus. Und wenn die Sehnsucht und die Liebe groß ist, dann verbringe ich viel Zeit im Gebet, wie Maria, selbst wenn es für andere Menschen sinnlos scheinen mag, so lange an einem Grab stehen zu bleiben.

 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.

 

Die zweite Vorbereitung für Maria ist die Begegnung mit dem Engel. Dies ist aber schon völlig passiv. Das kann Maria nicht steuern. Hier hat Gott schon die gesamte Initiative übernommen. Wir können das ähnlich auch erfahren, wenn wir im Gebet an einen Punkt kommen, wo wir spüren, dass es jetzt nicht mehr unser Tun ist. Gott übernimmt, wir lassen uns fallen, und was jetzt geschieht, bestimmt er.

 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.

 

Dann kommt es zur direkten Begegnung mit Jesus, wobei Maria ihn zunächst noch nicht erkennt. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel vorher geschieht, bevor es zur direkten Erkenntnis Jesu kommen kann. Jesus ist schon da, aber es ist uns nicht bewusst. Wir merken es noch nicht, bis er uns dann wie Maria persönlich beim Namen ruft. Es versteht sich, dass diese Dinge von menschlicher Seite völlig passiv sind. Wir können hier nichts mehr machen, um das zu erreichen. Das einzige, was wir tun können, ist, nicht wegzulaufen. Vielleicht ist das der häufigste Fehler, der im Gebet gemacht wird, dass Menschen weglaufen, bevor es zu diesem Höhepunkt kommt. Wenn wir keine Geduld haben, dann kommt es nicht zu der tiefen und direkten Begegnung. Sie braucht eben Zeit, sie braucht Vorbereitung. Es ist eben etwas unglaublich Kostbares, Jesus zu begegnen, und das kann man nicht einfach so schnell haben.

 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.

 

Lernen wir also von Maria! Bitten wir die Engel, uns zu unterstützen! Behalten wir die Geduld, selbst dann, wenn unser Gebet uns erscheint, als wenn wir an einem Grab stünden. Jesus erkennt unsere Sehnsucht, und er belohnt sie.

 

Gebet:

Jesus, ich bin viel zu oft weggelaufen. Oft laufe ich sogar während des Gebets weg, wenn meine Gedanken woanders hin schweifen. Mitunter laufe ich dann sogar tatsächlich weg, um irgendetwas mir wichtig Erscheinendes kurz zu erledigen, bevor ich zum Gebet zurückkehre. Es tut mir leid, denn meist war es nicht so wichtig, dass es ein Grund gewesen wäre, vom Gebet wegzulaufen. Es war eine Versuchung, denn der Teufel wollte mich ablenken. Jesus, ich will von Maria lernen. Ich will Geduld und Ausdauer haben im Gebet. Ich will an den Punkt kommen, wo du es übernimmst, wo es nicht mehr mein Werk ist. Aber bis das geschieht, will ich Geduld haben. Mein Gebet soll ein Ausdruck meiner Liebe und meiner Sehnsucht nach dir sein.

 

 

Pastor Roland Bohnen