Samstag, 1. April 2017

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. (Joh 11,33)

05 Sonntag der Fastenzeit

 

EVANGELIUM

Joh 11, 1-45

 

In jener Zeit

1 war ein Mann krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta wohnten.

2Maria ist die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank.

3Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.

4Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

5Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

6Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

7Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

8Die Jünger entgegneten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen, und du gehst wieder dorthin?

9Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht;

10wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.

11So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.

12Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden.

13Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf.

14Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben.

15Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.

16Da sagte Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.

17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.

19Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

28Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.

29Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.

30Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.

31Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.

32Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

33Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

35Da weinte Jesus.

36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

45Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

 

Tagesimpuls:

 

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. (Joh 11,33)

 

Martha diskutierte mit Jesus. Maria bewegt durch ihr Weinen Jesu Herz. Sie fällt vor ihm nieder. Sie ist emotional. Sie kann die Regung ihres Herzens nicht verbergen. Sie schenkt sich Jesus ehrlich, so wie sie ist. Maria und Martha werden in der Heiligen Schrift gegenübergestellt als unterschiedliche Persönlichkeiten. Martha ist schneller, sie ist aktiver, sie geht als erstes auf Jesus zu. Maria lässt sich Zeit. Sie handelt nicht sofort. Bei ihr erwächst alles aus einer inneren Ruhe heraus. Wenn man nun fragt, welcher der beiden Typen es mehr schafft, das Herz Jesus zu bewegen, Jesus zum Handeln zu bewegen, dann ist die Antwort klar. Martha mag menschlich mehr schaffen, aber Maria bewegt viel mehr im übernatürlichen Bereich als Martha.

 

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

 

Wir erleben in diesem Evangelium auch einen sehr emotionalen Jesus. Auch Jesus schenkt sich ganz, gibt sich ganz in die Situation hinein. Ich vermute, dass wirklich große Wunder nie geschehen können, wenn nicht Menschen aus ganzem Herzen beten. Wenn ein Lektor in der Kirche eine Fürbitte vorträgt, dann ist dies dagegen oft sehr nüchtern. Da wird nicht viel bewegt. Weder in seinem eigenen Herzen, noch in den Herzen der Gottesdienstteilnehmer, und vermutlich auch nur sehr wenig im Herzen Gottes. Es kommt schon darauf an, wie wir beten. Und wer kennt nicht die Erfahrung: Wenn es einem richtig dreckig geht, dann wird unser Gebet auf einmal sehr inständig, inbrünstig. Dann wird unser Gebet emotional, authentisch ehrlich. Und dann beginnt sich etwas zu bewegen. Dann bewegen wir auch das Herz Gottes.

 

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

 

Am besten ist, wenn unser Gebet ein Flehen wird, und wenn unser Lobpreis wirklich ein Ausdruck tiefer, echter Freude wird. Gott hat uns geschaffen mit Willen, Verstand und Emotionen. So wie in einer lebendigen Liebesbeziehung, so gehören auch im Gebet die Emotionen dazu. Wenn ich abgeklärt und distanziert bete, das Gebet nur „absolviere", dann bete ich nicht mit Liebe. Ich muss Liebe in meine Gebete hineinlegen. Ich muss mit den Menschen leiden, für die ich bete. Es muss mir ein Herzensanliegen sein, wofür ich bete. Dann bewegt sich etwas, in mir, in meinen Mitmenschen, im Herzen Gottes.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns ein großes Vorbild bist, wie wir beten sollen. Ich will beten wie du, oder wie Maria. Ich will vor dir niederfallen, beten mit meinem Leib, mit meinen Gefühlen! Herr, bitte schenke mir Liebe ins Herz, so dass ich in Liebe die Not der Menschen wahrnehme und vor dich trage. Dass ich wirklich mit den Nöten der Menschen leide. Lass aber auch meinen Lobpreis lebendig werden, ein echter Ausdruck der Freude und des Dankes!

 

 

Pastor Roland Bohnen