Samstag, 18. Februar 2017

Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. (Mt 5,42)

06 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 5, 38-48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 

38Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

40Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

41Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

42Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

43Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

44Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,

45damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?

47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

48Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

 

 

Tagesimpuls:

 

Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. (Mt 5,42)

 

Jesus will, dass wir ein großes Herz haben, dass wir großzügig sind. Die Sünde soll nicht über uns herrschen, auch nicht die Sünde anderer. Wenn andere Menschen sündigen und nicht so leben, wie es dem Willen Gottes entspricht, ja selbst wenn andere uns verletzt haben, dann soll das nicht dazu führen, dass wir selber nicht mehr großzügig sind. Wir dürfen unseren Lebensstil nicht ändern, nur weil andere Menschen böse sind. Wir sollen gleichbleibend gut sein zu allen, unabhängig davon, wie die anderen sich verhalten. Das heißt auch, dass wir nicht mit gleicher Münze heimzahlen, dass wir uns nicht auf das Niveau der anderen herunterziehen lassen wollen.

 

Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

 

In der Moraltheologie lehrt die Kirche, dass Notwehr erlaubt ist. Es ist erlaubt, Menschen daran zu hindern, andere zu verletzen. Das widerspricht nicht einer grundsätzlich positiven Einstellung dem anderen gegenüber. Und dementsprechend bin ich als Christ auch nicht dazu verpflichtet, mich von anderen ausnutzen zu lassen. Ich darf sehr wohl Dinge und Situationen beurteilen, wenn ich den anderen Menschen dabei nicht verurteile. Und dann kann ich Entscheidungen treffen. Ich muss also z.B. einem Alkoholkranken keinen Schnaps geben, wenn er mich darum bittet. Aber dennoch kann ich mich bemühen, gut zu ihm zu sein und ihm das zu geben, was er braucht, so weit es in meinen Kräften steht.

 

Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

 

Achten wir also darauf, dass wir uns in keinster Weise zum Negativen beeinflussen lassen! Wir leben unseren christlichen Lebensstil, offen und voll Liebe für jeden. Wo wir uns abgrenzen müssen, da tun wir dies genauso mit Liebe und Wertschätzung gegenüber dem anderen, wie dort, wo wir uns schenken. Eigentlich schenken wir uns immer. Die Frage von Nähe und Distanz steht auf einer anderen Ebene. Wir lieben alle Menschen gleich, aber wir haben nicht zu allen die gleiche Nähe. Man darf Liebe und Nähe nicht miteinander verwechseln. Liebe erfordert ein hohes Maß an Authentisch-Sein und Klarheit von uns. Je mehr Klarheit, umso mehr Liebe. Wenn wir so leben, dann geben wir jedem das, was er braucht und was wir selber können.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir dass du uns lehrst, offen und wertschätzend jedem Menschen gegenüberzutreten. Wir sollen uns nicht beeinflussen lassen vom Negativen, dass von Menschen teilweise ausgeht. Genau so geben wir jedem, was für ihn gut ist und was wir können. Hilf mir, immer die Situationen gut zu beurteilen, hilf mir, dass ich das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz finde, dass ich authentisch sein kann und dadurch die Liebe zu allen Menschen leben kann, so wie du es willst.

 

 

Pastor Roland Bohnen