Dienstag, 21. Februar 2017

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. (Mk 9,35)

07 Woche im Jahreskreis – Dienstag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪9,30-37.

‪In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;

‪denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.

‪Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.

‪Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?

‪Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei.

‪Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

‪Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:

‪Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

 

 

Tagesimpuls:

 

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. (Mk 9,35)

 

Jeder Mensch will anerkannt werden. Wenn uns die Anerkennung verweigert wird, dann reagieren wir empfindlich und sind häufig gekränkt. Wir Priester arbeiten sehr viel mit Menschen zusammen, die ehrenamtlich Dienste leisten. Wir müssen sehr darauf achten, dass wir diese Menschen gebührend wertschätzen und anerkennen. Sie bekommen kein Geld für ihre oft sehr umfangreichen Tätigkeiten, dann müssen sie wenigstens genügend Anerkennung bekommen.

 

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

 

Paulus sagt: „Die Liebe schuldet ihr einander immer" (Röm 13,8). In diesem Zusammenhang heißt das: Man kann nie genug Liebe schenken, man kann nie genug Danke sagen, man kann nie genug Anerkennung und Wertschätzung ausdrücken. Aber nachdem ich dies gesagt habe, will ich auch zur anderen Seite der Medaille kommen. Wir dürfen umgekehrt auch nicht süchtig nach Lob und Anerkennung werden. Ideal wäre es, wenn wir es gar nicht nötig hätten, von anderen Menschen Lob und Anerkennung zu erhalten. Ideal wäre, wenn wir so ein positives Selbstbewusstsein hätten, dass wir alles mit Freude tun, egal ob wir nun dafür gelobt werden oder nicht. Wir müssen nicht vor den Menschen groß gemacht werden. wir können den letzten Platz einnehmen, das macht uns nichts aus. Wir sind dann nicht gekränkt, im Gegenteil. Wir wissen selber um unseren Wert, dann müssen nicht andere uns groß herausstellen.

 

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

 

Wenn man so eine Einstellung hat, dann ist man frei. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden immer entspannter.  Man setzt andere nicht mehr unter Druck mit seinen hohen Erwartungen. Es genügt einem, zu wissen, wie Gott alles sieht. Dazu muss man eine starke Beziehung zu Gott aufbauen, besonders die väterliche Liebe Gottes muss man tief in seinem Herzen spüren. Dann kommt man zu dieser Entspannung , man hört auf, Lob und Anerkennung von anderen Menschen zu erwarten, man fühlt sich geliebt und getragen, und man kann umschalten vom Erwarten der Liebe anderer zum Geben. Weil mein Herz voll ist von der Liebe Gottes kann ich geben. Ich muss nicht den ersten Platz haben. Was mich selbst betrifft, kann ich warten. Mein Interesse liegt vielmehr dort, was ich anderen geben kann. Ich empfange meine Liebe von Gott, und was die Mitmenschen betrifft, da konzentriere ich mich drauf, Liebe zu schenken.

 

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

 

Gebet:

Jesus, ich will mit dir den letzten Platz haben. Ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht noch sehr unvollkommen bin. Ich lebe noch lange nicht ganz aus der väterlichen Liebe Gottes. Ich habe oft noch so hohe Erwartungen an die anderen. Bitte verzeih mir. Ich will aber die richtige Richtung einschlagen. Ich will immer mehr dich als die Quelle meiner Liebe finden. Und in Beziehung auf meine Mitmenschen will ich mich auf das Geben konzentrieren, nicht auf das Empfangen. Ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist bis zum Ziel. Bitte hilf mir, jeden Tag einen Schritt weiter zu kommen.

 

 

Pastor Roland Bohnen